Steuerfahndung
Do., 01.01.1970
VfL Osnabrück: Geschäftsräume und 27 Wohnungen durchsucht
Osnabrück - Der VfL Osnabrück wehrt sich gegen den Verdacht der systematischen Steuerhinterziehung und will an diesem Freitag um 15.30 Uhr bei einer Pressekonferenz in die Offensive gehen. Am Donnerstag, zwei Tage nach dem Abstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga, schockte eine groß angelegte Razzia durch die Steuerfahndung den Verein.
Die Geschäftsstelle und die Wohnungen von 18 Profis sowie von neun ehemaligen und aktuellen Funktionsträgern wurden durchsucht; Dokumente wie Arbeitsverträge und Gehaltsabrechnungen sowie Computerdaten wurden sichergestellt.
„Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, sagte der für die Finanzen des Vereins zuständige Vizepräsident Gert Lehker. Die im Gerichtsbeschluss, der die Notwendigkeit der Durchsuchungen und Beschlagnahmungen begründet, aufgeführten Verdachtsmomente glaubt der Verein weitgehend entkräften oder erklären zu können.
„Alles, was dort aufgeführt ist, basiert auf Unterlagen, die wir im Rahmen einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt offengelegt haben“, betonte Finanz-Geschäftsführer Ralf Heskamp, „wir haben nichts zu verbergen. Vor allem gibt es keine Ansätze für vorsätzliche Steuerhinterziehung.“
Auslöser des Ermittlungsverfahrens, das seit Anfang Mai läuft, ist eine Betriebsprüfung des Finanzamtes für den Zeitraum von 2006 bis 2009. Dabei seien „schwerwiegende Mängel in der Buchführung“ festgestellt worden. Außerdem fehlen Einnahmen aus Freundschaftsspielen bei kleinen Amateurklubs und von Spielen der zweiten Mannschaft.
Im Gerichtsbeschluss ist außerdem die Rede von Unregelmäßigkeiten bei der Versteuerung der Einnahmen aus dem Fanartikelverkauf. Für den Verdacht, dass der VfL verdeckte Lohnzahlungen an Spieler geleistet hat, finden sich drei Beispiele in der Akte.
„Das Verfahren richtet sich nicht gegen die Spieler, sondern gegen den Verein beziehungsweise gegen neun Verantwortliche“, sagte die Osnabrücker Staatsanwältin Wibke Warnking, „bei dem Ermittlungsverfahren geht es um den Verdacht der Steuerhinterziehung durch den Verein.“
Das Verfahren solle „zügig“ abgewickelt werden, sagte die Staatsanwältin aus der Pressestelle: „Zwei Monate wären auch kurzfristig.“
Für Klubchef Dirk Rasch kommt die Aktion zur Unzeit: „Wir haben ohnehin schwer zu kämpfen und müssen bis zum 1. Juni eine hohe Liquiditätsreserve zusammenbringen. Ich hoffe, dass das trotzdem gelingt.“
Am Donnerstagabend sprach der Wirtschaftsrat des Vereins mit dem früheren Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip an der Spitze dem Präsidium nach der Sichtung der Lage ausdrücklich das „volle Vertrauen“ aus.
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