Mo., 07.05.2007

Archiv Keine Angst vor Noten

Von Doerthe Rayen

Er schmunzelt. Dann sagt er kurz und knapp: „Ja. Stimmt.“ Wenn Professor Dr. Horst Toonen auf die Bewertungsplattform „Meinprof.de“ angesprochen wird, dann macht er keinen Hehl daraus, dass er bei dem Ranking seit einigen Monaten weit vorn liegt und zu den beliebtesten Professoren in ganz Deutschland zählt.

Doch dem Dozenten, der an der Fachhochschule Gelsenkirchen am Standort Bocholt tätig ist, ist die Auszeichnung alles andere als zu Kopf gestiegen. „Ich bilde mir gar nichts auf diesen Titel ein“, sagt der 49-jährige Maschinenbauingenieur frank und frei und weiß auch genau wieso: „Die Plattform ist handwerklich schlecht gemacht und zu manipulieren. Folglich leidet die Glaubwürdigkeit.“

Gegen Bewertungen jedweder Art hat der Professor für Mechatronik allerdings nichts einzuwenden. Die Idee, dass deutsche Studenten ihre Professoren bewerten – in Amerika ist das gang und gäbe – findet Horst Toonen sogar sehr gut. „In Bocholt setzen wir seit einigen Jahren auf ein internes Qualitätssicherungssystem. Zur Semestermitte befragen unsere drei Fachbereiche die Studenten“, erklärt Toonen. Das, was bei diesen Befragungen herauskommt, ist dem Dozenten sehr wichtig. „Unsere Studenten können konkret äußern, was gut und was schlecht ist. Da wir mitten im Semester die Evaluation durchführen, können wir noch reagieren und etwas ändern“, erklärt Toonen.

Was einen guten Professor aus seiner Sicht ausmacht? Toonen muss nicht lange über eine Antwort grübeln: „Studenten sollen das Gefühl bekommen, ernst genommen zu werden. Ich setze darauf, eine gute Atmosphäre zu schaffen. Dann ist auch vernünftiges und praktisches Arbeiten möglich.“ Gutes Arbeiten, eine persönliche Atmosphäre, in der der Student jederzeit seinen Professor ansprechen kann: Das ist an kleinen Fachbereichen und Fachhochschulen natürlich deutlich leichter umzusetzen als an großen Universitäten, gibt auch der Maschinenbauer zu. In Bocholt kommen auf 1200 Studenten 50 Professoren. Ein wahrlich optimaler Betreuungsgrad. Toonens Fachbereich zählt etwa 300 Hörer mit 13 Dozenten.

„Meinprof.de“ ist seit vergangenem November im Netz und hat seitdem für viel Aufregung an den Hochschulen gesorgt. Durch wenige Mausklicks können Studenten ihre Dozenten bewerten und zum Top oder Flop der Lehre machen. Dem Portal sind inzwischen Auflagen erteilt worden, um das Bewertungssystem sicherer zu machen. Prof. Toonen hofft, dass diese Sicherungen, wie zum Beispiel Zugangsberechtigungen, bald eingebaut werden. Dann, so ist der Fachhochschullehrer sicher, steige auch die Akzeptanz unter den Professoren.

Bei der internen Beurteilung in Bocholt erzielt Toonen übrigens nicht selten Bestnoten. Auf die ist der Professor dann auch wirklich stolz.

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