Mo., 06.04.2009

Marienschule Münster Cyber-Mobbing: Belästigung via Internet

Wieder eine neue Nachricht im Postkasten von Annas Account. Und wieder von diesem anonymen User, der Anna jetzt seit zwei Wochen täglich mit mehreren Nachrichten belästigt. „Mit so dicken Beinen sollte man keine Röcke tragen. Merkst du nicht, dass alle dich auslachen?“, „Wie ist es eigentlich so, keine Freunde zu haben?“ oder „Lass bloß die Finger von Ruben, du kleine Schlampe!“ Diese und auch alle anderen ähnlichen Nachrichten versucht Anna einfach nicht zu beachten, aber sie trägt sie in ihrem Kopf Tag und Nacht mit sich herum. Der Schreiber bzw. die Schreiberin der Nachrichten hält sich anonym. Anna kann nur mutmaßen, wer sie so ärgern will.

So wie Anna geht es inzwischen vielen Menschen auf der Welt. Unschöne Fotos und Videos von ihnen, die mit bösartigen Kommentaren unterschrieben sind, das Verschicken von gemeinen Nachrichten, Gründungen von „Anti“-Gruppen belästigen immer mehr Internet-Nutzer. Vom so genannten Cyber-Mobbing sind überwiegend Jugendliche betroffen.

Ca. 95 Prozent der deutschen Haushalte, in denen Jugendliche im Alter zwischen elf und 19 Jahren wohnen, haben einen Internet-Anschluss, und knapp die Hälfte der Jugendlichen hat sogar einen Internet-Anschluss im eigenen Zimmer. Jeder dritte Schüler in Deutschland ist in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel SchülerVZ , MySpace oder Facebook angemeldet. Diese und auch Chatrooms, Instant Messengers wie Icq oder Videoportale wie Youtube bieten das Instrumentarium für Cyber-Mobbing.

Mobbing per Internet, meist anonym, ist natürlich sehr viel einfacher, als sich einer Person gegenüber zu stellen und ihr direkt ins Gesicht zu sagen, was einem an ihr missfällt. Die so genannten „Mobber“ ärgern sich über eine Person und schreiben dieser dann einen Hassbrief via Internet.

Oder es beginnt mit einfachen Sticheleien, die sich zu immer größeren Gemeinheiten entwickeln. Manchmal handeln die Mobber auch aus purer Langeweile. Meist aber ist ihnen gar nicht bewusst, was sie damit anrichten. „ Nur ein bisschen ärgern“, „nur so zum Spaß“, mag manch einer denken. Ein Klick – und schon ist die Nachricht verschickt.

Die auf dieses Mobben folgende psychische Belastung für den Betroffenen wird dabei nicht bedacht. In den USA kam es soweit, dass ein 13-jähriges Mädchen den psychischen Druck nicht mehr aushielt und Selbstmord beging, nachdem sie per Internet gemobbt worden war.

Selten trauen sich die Opfer, über das Mobben zu sprechen. „Es könnte ja doch etwas Wahres an den Beschuldigungen sein. Denken die anderen vielleicht auch so über mich?“ So behalten viele ihre Ängste und ihren Ärger für sich und versuchen allein damit klarzukommen.

Wenn ein Opfer sich dann doch überwindet, die Belastung nicht einfach zu schlucken, und sich an die Eltern oder einen Vertrauenslehrer wendet, erhält es oft nicht die erhoffte Unterstützung, da Internet-Mobbing noch nicht so bekannt ist. Die Angesprochenen kennen sich häufig nicht so gut im Internet aus und können die Gefahr nicht einschätzen.

Um etwas gegen das wachsende Problem des Cyber-Mobbings zu tun, wurde der „Safer Internet Day“, der auf Gefahren im Internet aufmerksam machen will, in diesem Jahr diesem Thema gewidmet. In ganz Deutschland gab es Veranstaltungen und Aktionen, in denen auf Cyber-Mobbing aufmerksam gemacht wurde und aufgerufen wurde, etwas dagegen zu unternehmen.

Auch in der Politik ist Cyber-Mobbing inzwischen als Problem erkannt worden, das verstärkt bekämpft werden soll. Aufklärung unter Schülern ist wichtig; man muss den Mobbing-Opfern zeigen, dass sie nicht alleine dastehen und dass es vielen ähnlich geht. Manche Behörden regen an, Workshops zu diesem Thema an Schulen durchzuführen.

Denen, die andere mit Cyber-Mobbing quälen, muss man bewusst machen, dass es sich nicht nur um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern dass sie großen Schaden mit ihrem Tun anrichten. Vielleicht überdenkt der ein oder andere dann ja noch mal, was er da macht. Auch die Netzwerkbetreiber wie SchülerVZ oder Facebook wollen ihre Seiten noch sicherer gegen Mobbing machen.

So gibt es einen Notfallknopf, mit dem man unerlaubte Einträge melden kann, die dann gelöscht werden. Aktiv werden die Mobber jedoch noch nicht verfolgt, obwohl es sich bei Cyber-Mobbing um eine Straftat handelt.
Weitere Aufklärung über Cyber-Mobbing ist wichtig, damit den Betroffenen der Rücken gestärkt und ein weiteres Ausbreiten dieser modernen Methode der Belästigung verhindert wird.

Lioba Ester
Klasse 8c
Marienschule Münster

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