Do., 27.08.2009

Peter Maffay Maffay im Interview: Die Lust auf Neues bleibt

Kurz warten im „Raum Udo Jürgens “, dann hoch zum Interview im „Raum Elvis“: An der Neumarkter Straße in München dreht sich alles um Musik. Im Gebäude der Plattenfirma sitzt diesmal Peter Maffay . Braun gebrannt und bei bester Laune gibt der Rockmusiker, der am Sonntag 60 Jahre alt wird, Auskunft über seine Biografie. „Auf dem Weg zu mir“ beleuchtet auf über 400 Seiten die lange Geschichte des Rockstars, der seine ersten Erfolge vor fast 40 Jahren noch mit Schlager feierte und erst später seinen Weg auf die Rock-Bühne schaffte. Unser Redaktionsmitglied Gunnar A. Pier setzte sich zu ihm an den Tisch. Gibt’s hier eigentlich auch einen „Raum Peter Maffay“? Maffay: (lacht) Ich arbeite seit Jahren dran. Ihr Buch heißt „Auf dem Weg zu mir“. Sind Sie angekommen? Maffay: Die Antwort ist ziemlich einfach: Ich habe überhaupt keine Lust, anzukommen. Warum? Maffay: Weil es dann nicht mehr viel zu entdecken gäbe. Dann bestünde die Gefahr, dass die ganze Neugierde, die jetzt noch da ist, nachlässt. Dass wir nicht mehr in Bewegung sind, keine Impulse mehr empfangen. Es gibt noch nicht den Ofen, hinter den ich mich gerne hinsetzen würde. Das ist noch zu früh. Ihr Schlagzeuger Bertram Engel wird im Buch zitiert mit dem Satz: „Mit alten Männern spiele ich nicht.“ Maffay: Ja, damit hat er uns auch Angst gemacht. Aber er meint ja nicht „alt“ in Form von Zahlen, er meint „alt“ in Form von Attitüde. Wenn sich jemand nicht mehr bemüht, ist das nicht sein Ding. Damit hat er uns an dem Tag eine verpasst, die bis heute wirkt. Immer, wenn es irgendwo zu breiig und gemütlich wird, holen wir diesen Satz raus. Er hat eine extrem korrigierende Energie. Dieses Alter, diese 60 Jahre, sind keine Legitimation für Trägheit. Wie alt fühlen Sie sich? Maffay: Das kann ich nicht in Zahlen ausdrücken. Auf jeden Fall weiß ich, dass sich durch den Beruf, durch die Musik, die wir spielen, durch das Leben, das wir führen, diese Parameter von Alter sich verschieben. Es gibt ja auch kein Gesetz, das uns jetzt in Rente schickt. Diese Grenze ist ja sowieso von der Gesellschaft willkürlich gesetzt, und ich finde es nicht korrekt und geradezu diskriminierend, jemandem dieses Limit vor die Nase zu setzen und ihn in Rente zu schicken. Sind Sie eher ein Zurück-Gucker oder ein Nach-vorn-Gucker? Maffay: Ich bin leidenschaftlicher Autofahrer. Da guckst du ab und an in den Rückspiegel, aber nicht zu oft, weil es dann knallt. Das ist eigentlich ein gutes Beispiel: Ich fahre gerne, mir machen Kurven Spaß, wenn ich im richtigen Auto sitze. Ich muss sehen, was hinter mir passiert, aber hauptsächlich schaue ich natürlich nach vorne. Um bei diesem Bild zu bleiben: Sie sind für Ihre Biografie Ihre bisherige Strecke noch einmal abgefahren. Gab es Zeiten, in denen Ihnen das schwerer gefallen wäre? Maffay: Es gab Zeiten, in denen ich nicht so relaxt war. Vorhin hat mich jemand gefragt: „Auf Ihrem Grabstein soll ,Harley Parking only’ stehen – ist das der letzte aufbäumende Versuch, einen harten Rocker abzugeben?“ Früher wäre ich an die Decke gegangen. Jetzt habe ich in einem etwas schnodderigen Ton gesagt: Glauben Sie, ich habe das dann noch nötig? Es gibt einige Dinge, die Ihnen seit Jahrzehnten anhängen und die immer wieder zur Sprache kommen, zum Beispiel die Schnulze „Du“ und Ihre Auftritte im Vorprogramm der Stones, bei denen Sie gnadenlos ausgepfiffen und beworfen wurden. Können Sie das noch hören? Maffay: Heute gucke ich mir den Frager an und frage zurück: „Waren Sie da schon auf der Welt?“. Wenn er das verneint, frage ich: Warum beschäftigt Sie das dann so sehr? Aber das hat eben stattgefunden in meinem Leben, das wird auch nicht verschwiegen. Aber wenn in einem Gespräch so eine Tendenz aufkommt, rieche ich das inzwischen, und dann warte ich auch nicht lange mit einer Antwort in einer entsprechenden Form. Früher hätte ich diese Direktheit nicht besessen. Haben Sie bei manchen Dingen im Nachhinein gedacht: Hätte ich das nie gemacht? Maffay: Nein. Die Auftritte mit den Stones haben zum Beispiel lange Jahre eine therapeutische Wirkung gehabt. Denn geschärft durch die Angst davor, wieder was abzukriegen, habe ich an mir gearbeitet, um keine Gründe dafür zu liefern. Es ist besser, damit zu rechnen, dass so etwas passiert. Deshalb habe ich diesem Umstand viel zu verdanken. Und wenn ich mir heute so manche Dinge anschaue, die wir früher gemacht haben – mein lieber Scholli, da kann ich viele verstehen, die uns in die Pfanne gehauen haben. Zum Beispiel? Maffay: Fernseh-Auftritte. Grauenhafte Fernsehauftritte, bei denen ich mich selber frage: Wie konnte ich so was machen? Es hatte immer genügend Kraft, um erfolgreich zu sein, aber in sich selber habe ich in vielen Situationen Unsicherheiten bei mir entdeckt. Beschäftigen Sie sich kurz vor dem 60. Geburtstag mit der Frage, wie man als Rockmusiker in diesem vermeintlich jugendlichen Gewerbe in Würde älter werden kann? Maffay: Leonard Cohen ist 73 und ist vor einigen Tagen in Palma vor knapp 10.000 Menschen aufgetreten. Die Leute sind ausgeflippt – es muss gut gewesen sein. Das glaube ich gerne. Aber gibt es Sachen, die Sie gerne machen würden und sich dann doch verkneifen, weil die einem 60-Jährigen nicht mehr so gut zu Gesicht stehen? Maffay: Es könnte schon sein, dass mir gewisse Lederhosen nicht mehr stehen, wenn ich nicht auf mich aufpasse. Wenn die Konturen zerfließen, wirkt das lächerlich, und niemand würde es gut finden – auch ich nicht. Deshalb ist es wichtig, sich selbst abzutasten: Erfülle ich die Kriterien noch? Wenn nicht, dann muss man sich ändern, und wenn man das nicht kann, ist es Zeit, aufzuhören. Was kommt denn jetzt als Nächstes? Maffay: Nächstes Jahr ist wichtig für uns. Wir haben ein Jubiläum: 40 Jahre turnen wir auf der Bühne herum. Dazu holen wir die alten Kamellen noch mal raus und arrangieren alles neu, und damit touren wir dann auch. Das nächste Jahr wird also ziemlich busy.

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