MS-Gesellschaft

Di., 08.12.2009

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Frühe Therapie gegen das Leiden

Der kleine Timo kommt regelmäßig zur Physiotherapie in die Unikliniken, um den Körper zu stärken. Die 35-jährige Marija Krajina, die aktuelle Röntgenbilder mit Prof. Gerhard Kurlemann bespricht (kleines Bild), kämpft seit ihrer Kindheit gegen die Multiple Sklerose. Heute sitzt sie im Rollstuhl.Fotos: (Oliver Werner)
Von Karin Höller

Münster - Wer denkt schon an Multiple Sklerose, wenn ein Kind plötzlich auf einem Auge nichts mehr sieht oder über Taubheitsgefühl in den Händen klagt? „Bei solchen Warnsignalen muss man zwingend an MS denken“, sagt Prof. Gerhard Kurlemann, Denn wer denkt, dass Multiple Sklerose nur Erwachsene trifft, der irrt. 25 junge Patienten behandelt er mit seinem Team derzeit in der Kinderneurologie am Universitätsklinikum. Jährlich kommen bundesweit 150 bis 200 Kinderfälle hinzu. Kurlemann: „Unser jüngster Patient war sieben Jahre alt“. Wenn MS, bei der Nervenentzündungen unterschiedliche Körperteile erlahmen lassen, früh diagnostiziert und therapiert wird, haben die jungen Patienten allerdings laut Kurlemann „die Chance, fast beschwerdefrei durchs Leben gehen zu können“.

Die Multiple-Sklerose-Gesellschaft versucht daher unermüdlich in Vortrags- und Seminarveranstaltungen, die zum Teil in Kooperation mit Kinderneurologen gestaltet werden, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Vielleicht würde Marija Krajina (35) heute nicht im Rollstuhl sitzen, wenn damals, vor 22 Jahren, als sie die Krankheit mit aller Wucht traf, schon die heutigen Therapiemethoden angewandt worden wären. „Damals, mit 13, war ich geschockt, als sich plötzlich meine gesamte rechte Seite taub anfühlte“, erinnert sich die 35-Jährige. „Aber ich war ehrgeizig, wieder gesund zu werden“. Und mit Kortisongaben verschwanden die Symptome zunächst wieder. Doch die Krankheit entwickelte sich weiter, bremste die Jugendliche bei körperlicher Belastung aus. Krajina: „Gesunde verstehen oft gar nicht, dass MS-Betroffene nicht in der Disco endlos abtanzen können oder bei Radtouren schneller schlapp machen, obwohl man ihnen sonst nichts anmerkt.“

„Partnerkonflikte sind oft vorprogrammiert“, weiß Ulla Boomgaarden, die einen Großteil der jährlich rund 500 Betroffenen bei der Multiple-Sklerose-Gesellschaft berät. Denn je nach Tagesform kann ein Betroffener manchmal bestimmte Dinge problemlos erledigen, für die er an anderen Tagen Stunden braucht.

Bei Marija Krajina lief es eine Zeit lang gut - bis sie Anfang letzten Jahres der schwerste Krankheitsschub seit ihrer Kindheit in den Rollstuhl zwang. Zuletzt versuchten die Ärzte mit Medikamenten, die direkt in den Rückenmarkskanal gespritzt werden, ihre Spastik zu mildern. Jetzt, mit 35, musste die gelernte Bürokauffrau die Arbeitsunfähigkeitsrente beantragen.

Prof. Kurlemann ist sich sicher: „Mit den heutigen Therapiemethoden wäre ihr Krankheitsverlauf anders gewesen und ihr wäre wahrscheinlich der Rollstuhl erspart geblieben.“ Ziel der heutigen Therapien bei Kindern sei, den gesamten Krankheitsverlauf abzumildern und mögliche Ausfallsymptome ganz zu vermeiden.

Aufklärung über Medikamente und Behandlungsmethoden ist deshalb so wichtig. Die Multiple-Sklerose-Gesellschaft möchte ihr Beratungs- und Kursangebot gerade für die jungen Patienten mit Hilfe von Spendengeldern weiter ausbauen. Ulla Boomgarden, die den zahlreichen Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite steht, hilft, „dass MS-Kranke nicht den Kopf hängen lassen und in Depressionen verfallen“.


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