Karneval in Münster
Goldene Peitsche für Ursula Suer und Tönne Egger

Münster - Oberbürgermeister Markus Lewe muss sich rund drei Monate nach dem Amtsantritt wohl auf eine erneute Machtverschiebung im münsterischen Rathaus einrichten. Denn seine Protokollchefin Ursula Suer ist seit gestern im Besitz einer Peitsche. Und zwar einer ganz besonderen Peitsche: Die 63-Jährige wurde von der Karnevalsgesellschaft Fidele Bierkutscher mit der „Goldenen...

Dienstag, 12.01.2010, 18:01 Uhr

Münster - Oberbürgermeister Markus Lewe muss sich rund drei Monate nach dem Amtsantritt wohl auf eine erneute Machtverschiebung im münsterischen Rathaus einrichten. Denn seine Protokollchefin Ursula Suer ist seit gestern im Besitz einer Peitsche. Und zwar einer ganz besonderen Peitsche: Die 63-Jährige wurde von der Karnevalsgesellschaft Fidele Bierkutscher mit der „Goldenen Peitsche“ ausgezeichnet. Ursula Suer ließ keinen Zweifel daran, dass sie diese neue Errungenschaft auch zum Wohle der Stadt einsetzen werde: „Was dem einen seine goldene Kette“, flachste sie mit einem schmunzelnden Seitenblick auf den OB, „ist dem anderen eine goldene Peitsche.“

Weil die eine Peitsche an den „guten Geist des Rathauses“ ging, wurde die andere - quasi als Ausgleich - an einen „bösen Geist“ vergeben: Die Bierkutscher ehrten damit den Präsidenten der KG Böse Geister, Anton („Tönne“) Egger.

Bierkutscher-Boss Heinz Kenter konnte zur närrischen Auspeitschung im wieder mal proppenvollen Mühlenhof nicht nur die Vertreter von 31 Karnevalsgesellschaften, sondern auch zahlreiche Peitschen-Träger begrüßen.

Unter ihnen auch Bürgermeisterin Karin Reismann, die in ihrer Laudatio daran erinnerte, dass Ursula Suer seit 45 Jahren im Stadthaus tätig ist und mittlerweile dem sechsten Stadtoberhaupt protokollarisch den Rücken freihält. Die Männer meinten zwar, so Reismann, sie hätten im Rathaus das Sagen - aber „sie hat die Fäden voll in der Hand, dafür ist sie weltweit bekannt“.

Er hätte seine Laudatio auch sehr gerne in Versform vorgetragen, versicherte anschließend Büttredner Rudi Grevsmühl, Peitschen-Träger des Jahres 2009 - aber dafür gebe es im Leben von Tönne Egger „zu viele Ungereimtheiten“. Und so rührte Grevsmühl eine unterhaltsame Mischung aus Dichtung und Wahrheit an, um klarzumachen, warum Egger „die Peitsche verdient hat“. Immerhin, so Grevsmühl, habe sich der 67-Jährige in mehr als 30 Geister-Jahren vom Standartenträger zum Präsidenten hochgearbeitet.

Protokoller seien normalerweise immer im Hintergrund tätig, betonte Ursula Suer in ihren Dankesworten, „sie sind so etwas wie Schattengewächse“. Insofern sei die Peitsche für sie schon eine bemerkenswerte Ehrung, „die mein Schattendasein erhellt“. Und Böse­-Geister-Boss Egger bekannte gar, das sei nicht mehr zu toppen - „am selben Tag wie diese charmante Botschafterin der Stadt mit der Peitsche geehrt zu werden“.

Der dienstälteste unter den vielen Peitschenträgern war gestern übrigens Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, der schon 1977 den begehrten Orden erhielt. Und er verdiente sich ein Extra-Lob des Oberbürgermeisters. Es gebe weltweit nur einen einzigen Adeligen, so Markus Lewe, der seinen Wohnsitz nach einer Peitschen-Trägerin benannt habe - die Surenburg.

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