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Mo., 04.01.2010

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Suche nach gemeinsamer Melodie

Bundeskanzlerin Angela Merkel singt im Bundeskanzleramt in Berlin mit den Sternsingern und hält die Enden von orangefarbenen Schnürsenkeln in den Händen. Foto: (dpa)
Von dpa- Korrespondent Marc-Oliver von Riegen

Berlin - Harmonisch wird das neue Jahr für Angela Merkel wohl kaum bleiben. An ihrem ersten Arbeitstag nach der Weihnachtspause bekam die Kanzlerin Besuch von mehr als 100 Sternsingern. In farbenfrohen Gewändern der Heiligen Drei Könige brachten sie gestern den Segen für 2010 ins Kanzleramt. „Ich kann nicht. Ich krieg da keinen Ton raus.“ - „Du musst einfach nur Grüß Gott, Frau Bundeskanzlerin sagen. Und ihr die Hand schütteln. Das kriegste hin.“ Die 15-jährige Katharina macht ihrer zwölfjährigen Freundin Julia Mut. Beide stehen in Goldbrokat durchwirkten Umhängen mit Pappkronen auf dem Kopf in einem kleinen Saal des Bundeskanzleramtes.

Die kleinen Könige machten der Kanzlerin ihre Aufwartung. Merkel begrüßte alle per Händedruck und wünschte über 100 Mal ein fröhliches „Guten Morgen“. Es ist ein Termin, der mal nichts zu tun hat mit Steuersenkungen oder mit dem holprigen Start von Schwarz-Gelb.

Der Haussegen in der Regierungskoalition hängt derzeit schief. Das Bild, das Union und FDP nach außen abgeben, ist nicht mehr das einer politischen Wunsch-Beziehung. Hinzu kommt, dass der Steuer-Streit quer durch die Koalitionsparteien geht. FDP-Chef Westerwelle pocht trotz der Milliardenlöcher im Haushalt vehement auf Entlastungen im kommenden Jahr. Die sind im Koalitionsvertrag festgeschrieben - allerdings mit der Kompromissformel „möglichst zum 1.1. 2011“.

In CDU und CSU wird deshalb schon vor übereilten Versprechen gewarnt. Aber es gibt auch den Unions-Mittelstand, der auf baldige Steuersenkungen dringt.

Der Kanzlerin ist anzumerken, dass sie Freude am Besuch der Sternsinger hat. Als sie die Mädchen und Jungen begrüßt, hat sie keine Scheu. „Bleib mal hier“, ruft Merkel einem Sternsinger zu, damit sich alle auch vorteilhaft für das Foto aufstellen. „Prima“ sagt sie anschließend und bittet die Kinder auf ein Podest. Merkel singt mit, als „Gloria, es ist Sternsingerzeit“ angestimmt wird. Keine Disharmonien wie in der Koalition, wo Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Union zu mehr Disziplin aufruft, wenn er sagt: „Besser für den Zuhörer ist es, wenn man die gleiche Melodie singt.“

Die Sternsinger bitten die Kanzlerin um Unterstützung für ihre Projekte, mit denen notleidenden Kindern zum Beispiel im Senegal geholfen werden soll. Schließlich habe Merkel ja etwas zu sagen.

„In bestimmter Weise habe ich auch etwas zu sagen“, sagt sie in ihrer Rede an die Sternsinger. „Aber ich kann viel sagen, wenn nicht andere mitmachen und wenn wir nicht bestimmte Dinge auch gemeinsam unternehmen.“ Auch wenn Merkel das nicht direkt an die streitenden Koalitionäre gerichtet haben mag, es klingt dennoch wie ein Aufruf zu mehr Einigkeit. Sie spricht vom Mut, Dinge zum Besseren zu wenden. Zuvor hatte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich bei ihr Mut vermisst.

Die Kanzlerin geht bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in diesem Jahr nicht auf den Koalitionszwist ein. Die Sternsinger sind kein politischer Termin. Doch in den Momenten, in denen Angela Merkel nicht in Aktion mit den kleinen Gästen ist, wirkt sie nachdenklich.

„Die ist nett“, findet jedenfalls die elfjährige Elena aus Trier. „Ziemlich nett“ ist die Kanzlerin, sagt die zehnjährige Miriam aus Wuppertal. Bei der Frage, ob Merkel auch alle Wünsche der Kinder in die Tat umsetzen kann, ist sich Miriam nicht ganz sicher und sagt nur: „Hmmm.“


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