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Mi., 03.02.2010
Aus "Nonne Jenny" wird "Engel mit schmutzigen Flügeln"
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Lüdinghausen - Die aus Lüdinghausen stammende Antje Nikola Mönning spielte über zwei Jahre in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ die Nonne Jenny. Jetzt ist sie ausgestiegen und sorgt als eine der Hauptdarstellerinnen des am 4. März in deutschen Kinos anlaufenden Films „Engel mit schmutzigen Flügeln“ für Aufsehen. Mit der Schauspielerin sprach Redaktionsmitglied Josef Kersting.
Von der Nonne in der ARD- Serie „Um Himmels Willen“ zum „Engel mit schmutzigen Flügeln“. Wie kam es zu der Wandlung?
Antje Nikola Mönning: Ich habe den Regisseur Roland Reber schon vor fast drei Jahren bei den Filmfestspielen in Cannes kennengelernt. Da lief gerade dessen letzter Film, die Mediensatire „Mein Traum - oder die Einsamkeit ist nie allein“ in der deutschen Reihe, und der hat mir sehr gefallen. Die ganze Art, wie Roland und das wtp-Team Filme machen, hat mich sofort begeistert, weil er ein Regisseur ist, der Jedem am Set die größtmögliche kreative Freiheit lässt. Deswegen habe ich mich dann entschieden, gleich ganz bei wtp einzusteigen und diesen Film auch mitzuproduzieren. Und natürlich hat es mich gereizt, nach über zwei Jahren als TV-Nonne mal was ganz anderes zu spielen.
Der Film „Engel mit schmutzigen Flügeln“ von Roland Reber und Mira Gittner wird als „Hymne auf die Unmoral“ bezeichnet. In BILD wurde Ihr Absturz von der Nonne zum Engel mit schmutzigen Flügeln bereits in großen Lettern verbreitet. Kritiker ordnen den Inhalt des Films zwischen Selbstfindungstrip und Softporno ein. Was meinen Sie?
Mönning: „Engel mit schmutzigen Flügeln“ ist ein sehr purer, authentischer Film, der weder beschönigt noch moralisiert. Er ist eine Aufforderung ans Leben, nicht an die Darstellung von Leben.
Was ist die zentrale Aussage des Films?
Mönning: Man kann den Film gar nicht auf eine Aussage reduzieren. Für mich geht es darin um Ehrlichkeit, vor allem sich selbst gegenüber. Meine Figur der Lucy hat sich und andere ihr Leben lang betrogen und Männern gegenüber von Liebe geredet, wo es ihr nur ums Haus und ums Erbe ging. Nun halten ihr die beiden anderen, in deren Club sie ja aufgenommen werden möchte, einen Spiegel vor, damit sie erkennt, was sie ist. Diese Erkenntnis ist ganz wertneutral. Sie muss sich ja erstmal von der Moral der Gesellschaft, in der sie aufgewachsen ist, befreien, um ein eigenes ICH zu entwickeln und zu SEIN.
Stichwort Moral: Ihr Regisseur Roland Reber meint, dass für ihn Moral nur ein Druckmittel gegen das Individuum sei. Eine Gesellschaft ohne Moral - wie geht das?
Mönning: Indem man Moral nicht normiert, sondern an das eigene Ich appelliert, würde die Gesellschaft sehr viel ehrlicher und damit auch „moralischer“ werden.
Wie haben nahestehende Menschen auf die Wandlung von der ARD-Nonne zum „Engel mit schmutzigen Flügeln“ reagiert?
Mönning: Die Menschen, die mir wichtig sind, haben mich voll und ganz unterstützt.
Wie hat die Filmwelt reagiert?
Mönning: Die Filmwelt hat sehr positiv reagiert. Der Film hatte ja seine Weltpremiere auf dem renommierten Filmfestival in Sitges (Spanien) und wurde kurz danach zum wichtigsten Festival Asiens, dem International Filmfestival of India, eingeladen. Die Reaktion in Indien war grandios, der Film war der Renner des Festivals, und die Zuschauer haben die Direktoren so lange gebeten, bis es ein weiteres Screening gab. Wir waren den ganzen Tag umlagert von Journalisten und Zuschauern, die mit uns über die Philosophie und die Bedeutung des Films sprechen wollten. Jetzt läuft der Film noch auf weiteren Festivals, unter anderem in Portugal und dann in der deutschen Reihe in Cannes.
Was sind Ihre nächsten Pläne?
Mönning: Ab März werden wir den Film auf Kinotour von München bis Kiel begleiten, und ich freu mich schon auf die Gespräche mit den Zuschauern. Denn wir machen ja Filme, weil wir den Dialog mit Menschen suchen. Nach Cannes werden wir dann einen neuen Film drehen, worüber bleibt noch ein Geheimnis. Sicher ist nur, dass ich wieder eine ganz andere Rolle spielen werde.
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