Politik Inland
Do., 15.04.2010
Clements ehrliche Mission - Auftritt in Münster bei der FDP
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Münster - Der Saal des altehrwürdigen ABC-Schützenhofs in Münster ist an diesem frühen Abend gut gefüllt, kurz vor 18 Uhr. Wolfgang Clement ist eingeladen. Und dieser Name zieht bei FDP-Anhängern noch immer, seine Sympathie gegenüber liberalen Positionen und wohl noch mehr seine Abneigung gegenüber Grünen und Linken sichern Aufmerksamkeit und garantieren einen vollen Saal.
„Wir haben über 300 Anmeldungen. Das ist schon beachtlich“, sagt der Parteimanager Ulrich Hoyer sichtlich zufrieden. Eingeladen hatte Daniel Bahr, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium und eine der großen Hoffnungen der FDP aus Münster.
Vor Clements Rede herrscht gespannte Stille. Wird der ehemalige SPD-Ministerpräsident sich mehr Rücksicht auferlegen gegenüber der SPD-Landeschefin Hannelore Kraft, die er einst selbst zur Ministerin gemacht hat? Oder wird er wieder öffentlich gegen jede Form der Zusammenarbeit der SPD mit der Linkspartei zu Felde ziehen wie kurz vor der Wahl in Hessen?
Doch Clement, der gut gebräunt im dunklen Zweireiher aufs kleine Podium steigt und noch immer weiß, wie man sich zu den Fotografen stellt, spricht zunächst über Globalisierung und die Herausforderungen nach der Finanzkrise, über deutsche Wettbewerbsfähigkeit im Zeitalter der Globalisierung. „Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Das gilt für alle Bereiche des politischen Lebens und vor allem für alle sozialen Sicherungssysteme.“
Die Zahl der Bundesländer müsse von 16 auf acht reduziert werden, das Berufsbeamtentum für Lehrer und Hochschulprofessoren gehöre abgeschafft. „Nur wenn wir mutige Reformen anpacken und die Bürger Mut einfordern, werden wir etwas ändern. Das habe ich immer so gesagt.“ Clements Rede, die immer wieder von freundlichem Beifall der FDP-Anhänger unterbrochen wird, folgt einem Argumentationsmuster: Wolfgang Clement hat recht. Und immer recht gehabt.
Seine Worte sind ausgewogen, seine Argumentation stützt er häufig auf wissenschaftliche Umfragen oder - und das erscheint in Clements Sternensystem unfehlbar - auf ökonomische Gesetzmäßigkeiten. „Angesichts der Tatsache, dass in zehn Jahren zehn Millionen Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt fehlen werden, können wir es uns nicht mehr leisten, das Rentenalter so spät und starr auf 67 Jahre festzulegen.“
Erst zum Ende des Abends, nach einigen Fragen aus dem Saal, wendet er sich seiner ehemaligen Partei zu. Sein Gesicht wird ernst - und man nimmt ihm Ehrlichkeit ab, trotz aller geschlagenen Wunden auf beiden Seiten. „Ich weiß von vielen Mitgliedern der SPD, dass sie eine Koalition mit der Nachfolgepartei der SED in Nordrhein-Westfalen nicht hinnehmen würden. Da droht die Spaltung und am Ende der Untergang der Partei.“
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