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Fr., 09.07.2010

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Schwerer Schlag für die Hochschulstadt

Im Leibniz-Institut für Arterioskleroseforschung wird die Förderung wahrscheinlich eingestellt. Foto: (Matthias Ahlke)
Von Karin Völker

Münster - Der Wissenschaftsstandort Münster muss eine bittere Pille schlucken: Das Leibniz-Institut für Arterioskleroseforschung (Lifa), eine von Bund und Ländern finanzierte Einrichtung, wird künftig sehr wahrscheinlich nicht mehr von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert. Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat sich in seiner Sitzung am Mittwoch den Empfehlungen der Gutachterkommission angeschlossen, die das Institut kritisch unter die Lupe genommen hatte.

Der Beschluss ist zwar noch nicht endgültig, die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern trifft die Entscheidung. „In aller Regel folgt die GWK den Empfehlungen der Leibniz-Gemeinschaft“, sagt deren Sprecher Christoph Herbort von Loeper. Und: Es sei „sehr ungewöhnlich“, dass ein Institut bereits nach der ersten Begutachtung eine so negative Bewertung erhalte.

Das ausschlaggebende Kriterium für die Aufnahme eines Instituts in die unabhängige Forschungsförderung der Leibniz-Gemeinschaft, so heißt es, sei die Tatsache, dass die Forschungsarbeiten nicht innerhalb einer Universität geleistet werden könnten. Genau dies sehen die Gutachter nicht mehr gegeben. „Alleinstellungsmerkmal“ der Arbeit des Lifa war, so der Leibniz-Senat, die Procam-Studie, eine breit angelegte jahrzehntelange Untersuchung der Bevölkerung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Begründer der Studie war der frühere Leiter des Lifa, der inzwischen emeritierte Prof. Gerd Assmann.

In der Stellungnahme heißt es, die neue wissenschaftliche Leitung des Lifa habe die Auffassung vertreten, dass „methodische und inhaltliche Defizite“ nicht ausgeschlossen werden können. Und dann wörtlich: „Es ist unverständlich, dass die Verantwortlichen in wissenschaftlicher Leitung, Vorstand, Wissenschaftlichem Beirat und Kuratorium die Klärung der für möglich gehaltenen Defizite bisher nicht mit der notwendigen Intensität vorangetrieben haben.“ Die Studie habe schließlich bis heute Einfluss auf gesundheitspolitische Entscheidungen sowie auf ärztliche Verordnungen und Therapieansätze. Gerügt wird zudem, dass das Kuratorium seiner Aufsichtspflicht nicht konsequent genug nachgekommen sei.

Ein Teil der Drittmittel des Instituts wurde nicht vom Lifa selbst verwaltet, sondern von einer von ehemaligen Direktor gegründeten Stiftung. Das Land NRW hatte deswegen an den Trägerverein des Instituts Rückforderungen in Höhe von 3,6 Millionen Euro gestellt (WN, 17.2.2010).
Gegen den ehemaligen Leiter des Instituts wird nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer seit einigen Monaten wegen des Verdachtes der Untreue ermittelt. Der Vorwurf: Fördermittel sollen auf private Konten umgeleitet worden sein, so Schweer. Das Ermittlungsverfahren dient der Klärung der Rechtmäßigkeit von Transferzahlungen der Gesellschaft für Arterioskleroseforschung an die Assmann-Stiftung für Prävention. "Ich gehe davon aus, dass das Verfahren alsbald eingestellt wird, weil der Verdacht einer Straftat im Zusammenhang mit den geleisteten Transferzahlungen ausgeräumt ist.  Die Transferleistungen beruhten auf einem wirksamen und rechtmäßigen Vertrag", teilte gestern dazu der Assmann Anwalt, Porf. Dr. Martin Beckmann mit.
Zwischenzeitlich sei ein Vertrag geschlossen worden, auf dessen Grundlage die Assmann-Stiftung für Prävention ihrem Kooperationspartner, der Gesellschaft für Arterioskleroseforschung, wesentliche Anteile dieser Transfermittel mit einer Einmalzahlung zur Verfügung gestellt habe, so der Anwalt weiter. Zwischen beiden Einrichtungen sind damit alle  Ansprüche im Zusammenhang mit den Transferleistungen ausgeglichen. Dies bestätigte auch das Innovationsministerium.

Ob die internen Querelen auch bei der negativen Bewertung eine Rolle gespielt haben, wird in dem Bericht nicht erwähnt. Prof. Monika Stoll, jetzige Leiterin des Lifa, bemerkt dazu: „Die Altlasten waren wohl dennoch zu hoch und haben sich in der Kürze der Zeit trotz des großen Engagements aller Beteiligten nicht ganz ausräumen lassen.“

Die Universität Münster will das Lifa noch nicht ganz aufgeben. Sie stehe mit dem Ministerium in Verhandlungen, welche langfristigen Lösungen für den Erhalt der auch von den Leibniz-Gutachtern gesehenen exzellenten Forschung gefunden werden können, so eine gestern verbreitete offizielle Erklärung.

Am Lifa sind laut Bericht der Leibniz-Gemeinschaft 71 Mitarbeiter beschäftigt, das Jahresbudget lag 2008 bei 4,7 Millionen Euro.


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