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So., 25.07.2010

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Loveparade: Fünf der 19 Todesopfer aus dem Münsterland

Menschen stehen am Sonntag (25.07.2010) vor der Einfahrt zum Loveparadegelände auf den mit Blumen geschmückten Gehsteig und legen Blumen und Kerzen nieder. (Foto: dpa)

Münsterland - Es sollte eine Fahrt voll Freude, Liebe und Musik werden. Es wurde eine Fahrt ins Chaos. Am Sonntagmorgen dann die traurige Gewissheit: Eine 20-jährige Grevenerin, ein 22-jähriger Münsteraner und ein 21-jähriger Mann aus Belm bei Osnabrück sind unter den Opfern, die auf der Loveparade ums Leben kamen. Desweiteren sind zwei der 19 Todesopfer als Spanierinnen identifiziert.

Bei den zwei Studentinnen handelt es sich um zwei Spanierinnen, 21 und 22 Jahre alt, die am europäischen Erasmus-Austauschprogramm teilgenommen und zwei Semester lang in Münster studiert haben. Sie waren am Samstag als Teil einer rund 30-köpfigen Gruppe nach Duisburg gefahren - im Laufe dieser Woche wollten sie nach Spanien zurückfahren.

Alle 19 Todesopfer sind unterdessen identifiziert: Getötete stammen aus Australien, den Niederlanden, China, Italien und Bosnien-Herzegowina. Die deutschen Opfer stammen aus Gelsenkirchen, Düsseldorf, Castrop-Rauxel, Bad Oeynhausen, Bielefeld, Mainz, Lünen, Hamm und Bremen.

Mittlerweile hat die Online-Redaktion unserer Zeitung mehrere Berichte von Augenzeugen erhalten: Der Münsteraner Jörg Orthey war direkt am Ort des Geschehens und sagt: "Die Sicherheitskräfte waren machtlos!" Daniel Fahr aus Dülmen bestätigt: "Es war das komplette Chaos!" Der gebürtige Rheinenser und Wahl-Duisburger Andreas Büker macht deutlich, dass die Nachricht über die Katastrophe anfangs gar nicht zu den Feiernden durchgedrungen ist: "Die meisten Leuten wussten überhaupt nicht, was passiert war." Dominik Tenhaken aus Bocholt bestätigt diesen Bericht: "Die Fete an sich ging allerdings ganz normal weiter."

Nach noch unbestätigten Informationen wurden fünf Teilnehmer der insgesamt 90-köpfigen Grevener Gruppe bei der Massenpanik verletzt. Sie sollen allerdings die Krankenhäuser inzwischen wieder verlassen haben. Wie schon in den Vorjahren hatten der Frisörsalon „Cut 21“ und das Kesselhaus die Fahrt nach Duisburg zur Loveparade organisiert. Rund 90 Teilnehmer, wohl alle 18 Jahre und älter, freuten sich auf

Live-Musik, den Umzug der so-genannten Floats und Partystimmung. Doch bereits die Fahrt geriet zum Chaos. Am Rathaus, weit vom Veranstaltungsgelände, habe man aussteigen müssen, berichtete am Sonntag ein Teilnehmer. Dann folgte man den Massen. „Nichts war ausgeschildert.“ Vor dem Tunnel habe man halten müssen. „Da ging nichts mehr.“ Schon dort ging ein junges Grevener Mädchen zu Boden. „Der haben wir aber wieder auf die Beine helfen können.“ Der junge Grevener, der in der Redaktion von den furchtbaren Vorkommnissen erzählt, ist auch Stunden nach dem Ereignis noch traumatisiert. Ordnungskräfte hätten jeden kontrollieren wollen. „Die haben nach Flaschen gesucht, die man nicht aufs Veranstaltungsgelände mitnehmen darf.“

Durch diese Barriere, mutmaßt der Grevener, sei der ganze Zug zum Stocken gekommen. Er selbst erreichte mit anderen aus der Gruppe noch das Veranstaltungsgelände. „Andere haben es nicht geschafft. Die saßen im Tunnel fest.“

Frank Overberg, der mit zu den Organisatoren der Fahrt gehörte, stößt später zu der Gruppe in Duisburg. Was im Einzelnen mit den Teilnehmern geschah, vermag er nicht zu sagen. „Wir müssen erst noch Informationen sammeln.“

Patrick Herder, der für das Kesselhaus die Fahrt mit organisiert hat, ist am Samstagabend nicht in Duisburg. Er koordiniert die Gruppe telefonisch von Greven aus. Weit nach Mitternacht finden sich die meisten Grevener Love-Parade-Besucher wieder an den Bussen ein. Allerdings schaffen es nicht alle zum verabredeten Termin. Dass am Ende ein junges Mädchen an diesem Abend ums Leben gekommen ist, weiß noch niemand im Bus, als man Duisburg in der Nacht verlässt.

„Mein Mitgefühl gilt der Familie der jungen Frau“, erklärte am Nachmittag Grevens Bürgermeister Peter Vennemeyer. Er brach am späten Samstagabend seinen Besuch in Montargis ab, weil auch sein Sohn an der Loveparade teilgenommen hatte. Ihn hat er inzwischen wieder glücklich in die Arme genommen. Doch über Stunden konnten die Vennemeyers keinen Kontakt zu ihrem Sohn aufnehmen, weil die Handynetze zusammen gebrochen waren.

Am Sonntagmittag kamen zahlreiche Bekannte und Freunde der beiden spanischen Studentinnen im International Office der WWU zusammen. Ihnen stand vier Helferinnen und Helfer der "Notfallbegleitung Münster" sowie WWU-Studentenpfarrer Jan Loffeld zur Seite. Auch Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles und Prorektorin Dr. Marianne Ravenstein waren vor Ort. "Wir alle sind erschüttert und sehr traurig. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer sowie bei allen Freunden und Bekannten, die dieses schreckliche Ereignis miterleben mussten", betonte Rektorin Ursula Nelles.

Prorektorin Marianne Ravenstein unterstrich, dass vor allem das Rektorat und das International Office der WWU für jede Form von Hilfe zur Verfügung stünden. "Alle Studierenden, die jetzt Gespräche, Informationen oder Unterstützung brauchen, können sich jederzeit an uns wenden." Die WWU wird in dieser Woche einen Gedenkgottesdienst zu Ehren der beiden Studentinnen abhalten.

Unter der Telefonnummer 0201/82 98 091 und unter „Betreuungsangebot.Loveparade@
polizei.nrw.de“ bietet die Polizei Menschen Hilfe an, die aufgrund ihrer schockierenden Erlebnisse am Samstag ein persönliches Betreuungsangebot in Anspruch nehmen möchten.


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