Lenz-Netz

Sa., 28.08.2010

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„Lost Horizon“ für PC: Der neue Indiana Jones

Fenton Paddock spielt den neuen Indiana Jones im PC-Game "Lost Horizon". (Foto: Deep Silver)

<1>Fast schon kam der Gedanke auf, an der Adventure-Front täte sich dieses Jahr nichts mehr. Doch „Animation Arts“ zaubern nach den beiden „Geheimakte“-Teilen ihren nächsten Hit aus der Hosentasche: „Lost Horizon“ ist ein herrlicher, rasant erzählter Klassiker mit innovativen Ideen, aber ohne nervigen Schnickschnack. Fenton Paddock liegt in einem Holzsarg auf dem Meeresgrund. Sein Herz pocht laut und stark. Die rechte Hand mit dem Feuerzeug zittert. Die linke Hand verschließt verzweifelt ein münzgroßes Loch, durch das Wasser hereinströmt. 15 Minuten hat er zum Atmen. Lässt er Wasser herein, ertrinkt er in zwei Minuten. Was für ein Schlamassel . . . Es sind solche Ideen, die „Lost Horizon“ zu einem höchst spannenden Erlebnis machen. Die Genies hinter „Geheimakte: Tunguska“ und „Geheimakte: Puritas Cordis“ haben bewiesen, dass sie einem erwachsenen Publikum eine interessante Geschichte ansprechend erzählen können. Es bestand kein Zweifel, dass ihnen dies bei ihrem neuesten Werk wieder gelingen könnte. <2>Fenton, einst britischer Armeepilot und jetzt ein kleiner Schmuggler, hat sich mit den Triaden in Hongkong angelegt – und die verstehen keinen Spaß. Ihn in einem sargähnlichen Kasten zu versenken, war ein lupenreiner Mordversuch. Doch Fenton lernt nicht daraus und nimmt, kurz nachdem der Spieler ihn aus seinem nassen Grab befreit hat, einen neuen Auftrag an: ein Himmelfahrtskommando, denn Fenton gerät zwischen die Fronten der Alliierten und der Nazis, die ihn über mehrere Kontinente jagen. Alle Seiten sind auf der Suche nach einem Schlüssel zum sagenhaften Reich „Shambala“ in den Bergen Tibets. Diese Jagd entfaltet von der ersten Spielminute sein Tempo. Es gibt selten ruhige Minuten zum Durchatmen und Erkunden der Umgebung. Der Spieler löst mit Fenton anfangs leichte Rätsel, die im weiteren Verlauf richtig knackig werden. Dabei greifen sie ineinander und bleiben logisch: Fenton ist schließlich ein Indiana Jones und kein MacGyver. Zur Belohnung gibt es nach den Kopfnüssen Zwischensequenzen in kinoreifer Qualität. Kinoreif ist übrigens auch das Spielmenü in der Optik eines Lichtspielhauses. Super! Auch wenn die Gesichter etwas Lebendigkeit vermissen lassen, schwappen die Emotionen dieser atemlosen Hatz über den Bildschirm. Das liegt an den liebevoll gezeichneten Hintergründen und den insgesamt sauber eingeflochtenen Animationen. Aber es liegt auch und vor allem an der hervorragenden Vertonung. So sprechen die deutschen Stimmen von Ewan McGregor, Steven Seagal und Homer Simpson einige „Lost Horizon“-Charaktere. Wer genau lauscht, hört auch Cho Chang aus den ‚Harry Potter‘-Filmen. Wow! So actionreich sind selbst Baller- und Rollenspiele nicht. „Lost Horizon“ ist vielleicht keine neue Referenz, aber ein heißer Kandidat auf die Auszeichnung „Spiel des Jahres 2010“. Denn so viele Perlen (ausgenommen: „Mafia 2“) stehen in den kommenden vier Monaten nicht mehr ins Haus...


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