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„Ton-Arzt“: Trauer und Angst eine Melodie geben

Mittwoch, 29.09.2010, 18:09 Uhr

Münster - Dass Musik den Menschen positiv, wenn nicht gar heilend beeinflusst, ist im Ansatz bekannt. Dennoch gibt es nur wenige Ärzte, die Musiktherapie „als Zu-, nicht als Ersatz für Medikamente“ verschreiben, betonte am Mittwoch der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, in Münster. Laien und Medizinern da auf die Sprünge zu helfen, bietet die Kammer am Donnerstag um 19 Uhr zum zweiten Mal die Veranstaltung „Ton-Arzt“ im Ärztehaus an.

Referentin ist Prof. Bettina Pfleiderer vom Institut für Radiologie an der Uni Münster. Sie erforscht seit Jahren mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, welch großen Einfluss Musik auf das Gehirn depressiver und schmerzkranker Patienten hat. Gerade bei Brustkrebspatientinnen sei die Therapie dafür gut, „ Trauer eine Stimme zu geben und das Gefühl zu verarbeiten, dass die eigene Körperlichkeit beschädigt ist“, erläuterte Pfleiderer.

Jürgen Bleibel, Pianist und Klarinettist, ist ein großer Anhänger der Musiktherapie und hatte am Mittwoch einige gute Beispiele parat. Dass Frühchen besser wüchsen, wenn sie auf der Intensivstation klassische Mu­­sik zu hören bekämen. Dass eine Studie an Berliner Schulen gezeigt habe, dass die Intelligenz bei jenen Schülern um fünf bis zehn Prozent gesteigert würde, die regelmäßig Musik hörten und machten. Und: Dass auch die verschütteten Bergleute in Chile von Psychologen den Rat erhielten: „jeden Tag zu singen, gegen die Angst“.

Dass Musiktherapie keinesfalls unter Wellness fällt, sondern wissenschaftlich belegbare Ergebnisse zeitigt, das betonte Kammerpräsident Theodor Wind­horst besonders. So würden Menschen mit Demenz nachweisbar „aus ihrer Dumpfheit und depressive Patienten aus dem verzweifelten Eigendenken“ rausgerissen.

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