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Orientierung an Hannah-Arendt im Schulprogramm festgeschrieben

Dienstag, 26.10.2010, 18:10 Uhr

Hannah Arendt bekennt einmal, sie habe in den Seminaren des Philosophen Martin Heidegger die Fähigkeit leidenschaftlichen Denkens gelernt. Kann es für eine Schule, für ein Gymnasium zumal, eine größere Herausforderung geben als die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler zu selbstständigem Denken und Eigen-Sinn anzuleiten - zu einem „Denken ohne Geländer“, wie die Biographin Ria Endres formuliert hat?

In ihrer Lebensgeschichte hat Hannah Arendt darum gekämpft, sich eine Haltung zu bewahren, die sie „amor mundi“ nannte, Liebe zur Welt.

„In der Erziehung“, so sagt sie einmal, „entscheidet sich, ob wir die Welt genug lieben, um die Verantwortung für sie zu übernehmen und sie gleichzeitig vor dem Ruin zu retten, der ohne Erneuerung, ohne die Ankunft von Neuen und Jungen, unaufhaltsam wäre. Und in der Erziehung entscheidet sich auch, ob wir unsere Kinder genug lieben, um sie weder aus unserer Welt auszustoßen und sich selbst zu überlassen, noch ihnen ihre Chance, etwas Neues, von uns nicht Erwartetes zu unternehmen, aus der Hand zu schlagen, sondern sie für ihre Aufgabe der Erneuerung einer gemeinsamen Welt vorzubereiten.“

„Mit Ihnen verbunden zu sein“, schreibt Karl Jaspers am 20. April 1950 an seine Schülerin und lebenslange Freundin, „das verscheucht die Geister der Menschenverachtung und der herzlosen Gleichgültigkeit!“ Wer wollte sich von diesem Wesenszug Hannah Arendts nicht anstecken lassen?

Für das Zentrum ihres Lebens hat Hannah Arendt stets ihre Freundschaften gehalten. Sie hatte, wie der Philosoph Hans Jonas bei ihrer Bestattung sagte, ein „Genie für die Freundschaft“. Es war ihr ein Bedürfnis, mit Freunden zusammen zu sein, Gespräche zu führen, mit vertrauten Menschen zu kommunizieren.

Eine Schule, die Hannah Arendts Namen trägt, wird ein Ort mitmenschlicher Offenheit und Begegnung sein müssen, ein Ort, der Freundschaft und Gemeinschaft erlebbar werden lässt, ein Ort, an dem Schüler, wie Hartmut von Hentig gesagt hat, die „Fähigkeit zu trauen“ behalten oder gewinnen können.

In seinen Briefen rühmt Karl Jaspers immer wieder die Beschwingtheit, Heiterkeit und Fröhlichkeit an Hannah Arendt. Lachen und Lernen ergänzen sich gut. Die Pflege von Heiterkeit und Humor und die Fähigkeit zu feiern sind die besseren Alternativen zu Amüsement und den Angeboten der Unterhaltungsindustrie.

Diese wenigen Charakterisierungen machen eines schon deutlich: Im Bilde von Hannah Arendt verbinden sich Eigenschaften und Züge, ohne die eine humanistische Erziehung in einer humanen Schule heute nicht gelingen kann.

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