Mo., 18.07.2011

Veggietag Leidenschaftliche Diskussion ums Fleisch - Meinungen gehen weit auseinander

Münster - „Ich bin absolut dafür.“ Wolf Kalak schlendert am Stand der Initiative „Veggietag Münster“ vorbei, vorm Stadthaus 1 riecht es nach Döner und Falafeltaschen , alles vegetarisch oder vegan zubereitet. Natürlich. Schließlich findet hier gerade die Auftaktveranstaltung zum „Veggietag“ statt. Neben der Initiative beteiligen sich Greenpeace , das Institut für theologische Zoologie, der Vegetarierbund Deutschland , die Stadt und viele andere an der Aktion.

Wolf Kalak ist 73 Jahre alt, ist kein Vegetarier oder Veganer, aber Befürworter des Veggietages: „Für mich ist die Gesundheit der wichtigste Grund. Wir essen zu viel Fleisch, und ich glaube, dass viele Krankheiten daher rühren“, sagt der Rentner und schaut sich das Info-Material an, das die Veggietag-Initiative verteilt.

Nicht alle denken so. Der Veggietag und die Entscheidung des Rates, am Donnerstag einen freiwilligen vegetarischen Tag einzuführen, werden auch bei der Auftaktveranstaltung kontrovers diskutiert. Es gibt drei Gruppen: Zur ersten gehören Bürger wie Wolf Kalak, die den Tag als guten Anlass dafür sehen, sich der Problematik des Fleischkonsums bewusst zu werden: „Es muss ja nicht der Donnerstag sein“, sagt Kalak, der noch hinzufügt: „In meiner katholischen Erziehung war es im Übrigen Usus, dienstags und freitags kein Fleisch zu essen.“

Daneben gibt es zwei weitere Gruppen: Die einen sind für eine Debatte, aber gegen den Tag: „Jeder mit gesundem Menschenverstand ist sich der Gesundheits- und Klimaproblematik des Fleischkonsums bewusst“, sagt einer, der seinen Namen nicht nennen will, „der Punkt, der mich stört, ist also, dass es zu einer Zwangsveranstaltung wird.“

Und dann gibt es noch diejenigen, die die gesamte Diskussion nicht nachvollziehen können, auf den Veggietag pfeifen und nicht auf ein Gramm Fleisch verzichten wollen: „Ich bin leidenschaftlicher Fleisch-Esser und werde das auch bleiben“, sagt ein Bürger, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will. „Mehr als ein Veggietag würde es bringen, sich vom Öko-Bild der Kuh auf grüner Wiese zu verabschieden. Anders als bei der Massentierhaltung, wo die Tiere schnell schlachtreif sind, wird auf diese Weise nämlich unnötig Treibhausgas ausgestoßen.“

Dieses Argument kennt Silke Bott. Die 29-Jährige ist die deutschlandweite Kampagnenchefin des Veggietags. 1,2 Kilo Fleisch esse der Deutsche durchschnittlich in der Woche, sagt sie, 600 Gramm sollten es aus gesundheitlichen Gründen maximal sein. Und 98 Prozent dieses Fleisches stammten aus Massentierhaltung. Dafür werde vor allem Kraftfutter verfüttert, das zu großen Teilen aus Soja bestehe: „Das kommt oft aus Lateinamerika, wo riesige Monokulturen das Amazonasgebiet zerstören.“ Zudem schwinde die Anbaufläche für die Ernährung von Menschen: „Je mehr Menschen Fleisch essen, desto mehr Menschen werden hungern.“

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