Die Armee der Zinnsoldaten
Lutz Fechner bemalt Figuren im Maßstab 1:72 für Dioramen und Museen

Lengerich -

Stundenlang sitzt Lutz Fechner auf seinem Stuhl, bemalt mit einem Pinsel kleine Figuren. Unter seinen geschickten Händen entstehen die Teilnehmer für ein historisches Diorama der Schlacht von Cröbern am 16. Oktober 1813.

Samstag, 31.12.2011, 14:12 Uhr

Lutz Fechner sieht Schwarz. Seit geraumer Zeit. Er muss etwas machen, was die Basis für das Ausleben seines Hobbys ist: Figuren grundieren. Mit geübten Pinselstrichen trägt er die Farbe auf. Im Sekundentakt fast werden aus den unscheinbaren Männeken schwarze Ritter. Nach 200 Modellen legt er eine Pause ein, schiebt das Stirnband mit der daran angebrachten Lupe hoch, zündet sich eine Zigarette an. „Ich habe mein Hobby mit dem Beruf verbunden“, sagt der 60-Jährige mit einem Lächeln.

So lange ist das noch gar nicht her. Vor acht Jahren bekam Lutz Fechner ein „ Herr der Ringe “-Heft in die Finger. „Da waren Figuren dabei zum anmalen“, erinnert er sich. Was sich daraus entwickelt hat, hätte selbst ein Science-Fiction-Autor mit blühender Fantasie nicht zu denken gewagt: Modellbau-Fechner.

„Maßstab 1:72, das war mir zu klein“, erinnert sich Lutz Fechnet an „Herr der Ringe“. Seine Frau Gabriele lässt sich nicht zwei Mal bitten, greift zu Farbe und Pinsel. „Er hat´s dann auch mal probiert“, lacht die 54-Jährige. Der Keim ist gelegt. Ihr Mann bleibt bei dem Hobby. Mehr ist es nicht, denn „wir wollten in Lengerich eigentlich ein Büro-Office anbieten“, erzählt die Ehefrau. Trotz aller Bemühungen klappt es nicht.

Dass es Modellbau wird, liegt an ihrem Mann. Der greift täglich zu Farben und Pinsel, lernt im Internet neue Leute kennen und „stolpert“ über jemanden, der seine Figuren bemalen lassen möchte. „Ich hatte Lust und habe mich gemeldet“, blickt Lutz Fechner zurück. Bei der Antwort bleibt ihm zunächst die Luft weg: „Der wollte 1500 bis 1800 Figuren bemalt haben – im Monat!“ Der 60-Jährige holt tief Luft und nimmt den Auftrag an. „Unser erster Kunde“, schwingt Stolz in der Stimme von Gabriele Fechner mit.

Dass in Lengerich gute Arbeit geleistet wird, spricht sich in Fachkreisen herum. Die Kundenzahl wächst. Zum Großteil sind es Akademiker, „die sich auf Epochen spezialisiert haben“, erläutert Lutz Fechner. Ein Beispiel ist die Schlacht von Cröbern. Ein Kunde will das blutige Ringen vom 16. Oktober 1813 in einem Diorama nachstellen.

Eine Herkulesaufgabe, nicht nur, weil diese Ausein­andersetzung zwischen den Truppen von Napoleon und den alliierten Truppen im Rahmen der Völkerschlacht bei Leipzig in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Circa 20 000 Figuren wird Lutz Fechner für das Modell liefern. 2013 soll das Diorama in einem Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Bis dahin werden Lutz und Gabriele Fechner nicht nur mit Cröbern-Figuren beschäftigt sein. Unlängst ist eines ihrer Modelle in einer Episode der Rosenheim-Cops zu sehen gewesen: Eine Kirche. Die baut die 54-jährige aus einem Modellbausatz zusammen. Geliefert wird die Kirche im Rohbau. „Ohne Bäume, nicht angemalt“, erinnert sich Gabriele Fechner – und es musste flott gehen, weil zwischen Anfrage und Aufnahme nur wenige Tage lagen.

Der Grund für die „nackte“ Lieferung wird ihr klar, als sie „ihre“ Kirche im Fernsehen sieht: Auf die Außenplatte ist noch ein Brunnen gekommen. Dort lag übrigens der Chip mit den Fotos, die den Täter überführt haben.

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