„Ziemlich beste Freunde“
Do., 05.01.2012
Ein Pfleger aus dem Senegal - Warmherzige französische Komödie
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Der eine ist so reich, dass er in seinem Pariser Stadtpalais ein Kammerorchester aufspielen lassen kann. Der andere ist so pfiffig, dass er die Polizei nach wilder Verfolgungsjagd als Eskorte nutzt. Zu diesem Zeitpunkt sind der querschnittsgelähmte Philippe (François Cluzet) und sein senegalesischer Pfleger Driss (Omar Sy) „Ziemlich beste Freunde“ geworden, wie es der deutsche Verleihtitel der französischen Komödie „Intouchables“ (Unberührbare) vorgibt.
In Frankreich ist der warmherzige und mit lebensnahem Humor wunderbar arbeitende Film zu einem sensationellen Erfolg geworden. Er ist schon dabei, die „Schtis“ als erfolgreichster französischer Film aller Zeiten zu überholen. Und dies mit einem Thema, dem man nicht unbedingt Kinowirksamkeit bescheinigen würde. Das mag in Frankreich daran liegen, dass Filme mit und über Behinderte kein oder kaum ein Thema waren. Niemand wagte zudem bisher, das als Komödie anzugehen.
Nicht so das Autoren- und Regisseurpaar Eric Toledano und Olivier Nakache, das diese auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte vor Jahren verfilmen wollte. Dem realen Vorbild und Ex-Chef des Champagnerhauses Pommery, Philippe Pozzo di Borgo, führten sie ihre Filme vor. Er gab die Erlaubnis, seine Geschichte zu verfilmen - mit der von Toledano und Nakache mehr als erfüllten Maßgabe, kein Pathos oder Mitleid zu inszenieren.
Stattdessen erzählen sie temporeich, mit Galgenhumor und Dialogwitz vom Zusammenprall der Klassen. Zu dem kommt es, als ein Mann aus der Vorstadt von Philippe angestellt wird und fortan mit ihm sein Leben teilt. Der von Omar Sy kraftvoll gespielte Bakari, Driss genannt, lernt die Welt des Gebildeten, den Kunstmarkt und das Paragliding kennen. Der von François Cluzet („Kleine wahre Lügen“) feinfühlig verkörperte Philippe raucht dafür erstmals Joints, lässt sich von Prostituierten verwöhnen und hat Spaß, die Polizei zu narren. Es geht um die erogene Zone Ohr, um Brieffreundschaften, Rendezvous und Musikkulturen
Der Film kann auch als Metapher für Frankreich gelesen werden. Auf der einen Seite ein paralysiertes Land mit Privilegierten, auf der anderen Seite eine Nation, deren Zukunft auf der Vitalität und Energie der jungen Leute mit Migrationshintergrund beruht. Also dann: Pimp My Rollstuhl!
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