Prinzessin für eine Nacht
In der Abendmode sind die meisten Frauen konservativ

Der Winter ist die klassische Zeit für Abendkleider. Kurz vor Weihnachten und Silvester checken Frauen den Markt. Entdecken werden sie dabei eine Mode, die seit Jahren auf Bewährtes und Erfolgreiches setzt – weil Glitzer immer für den Abend passt und Schwarz ein Synonym für Eleganz ist.

Sonntag, 16.11.2014, 16:11 Uhr

Vor ein paar Wochen hat Stephanie Zarnic einen Workshop für 15- und 16-jährige Mädchen organisiert. Das Thema der kreativen Zusammenarbeit: Entwerft euer eigenes Traumkleid. Die Berliner Stylistin hatte eigentlich mit aufregenden, körpernahen Roben gerechnet, mit viel Rücken und betonter Taille, mit Kleidern, in denen nur ganz junge Frauen fantastisch aussehen.

Die Mädchen allerdings entwarfen etwas ganz Anderes – Märchenkleider mit weit ausgestellten Röcken, schmaler Taille und bravem Ausschnitt. Für Stephanie Zarnic steht seitdem fest, dass in fast jeder Frau ein Traum tief verankert ist. „Wir wollen alle wie Prinzessinnen aussehen.“

Wann, wenn nicht im Abendkleid , lässt sich dieser Traum erfüllen. „Dem Alltag fehlt der Glamour. Heute ist alles zu jedem Zeitpunkt tragbar.“ Das ist zwar praktisch, „verstärkt gleichzeitig aber die Sehnsucht nach dem großen Auftritt und dem Kleid, in dem man aufregend schön aussehen will“.

Hersteller von Brautmode wissen das seit Jahren. Viele von ihnen entwerfen immer wieder neue raffinierte Schnitte, die in ihrer Zurückhaltung zum edlen und eleganten Auftritt verhelfen – beziehungsweise verhelfen könnten. Denn viele Frauen entscheiden sich noch immer instinktiv für das Prinzessinnenkleid mit viel bauschigem Stoff von der Taille bis zur Schuhspitze.

Stephanie Zarnic lebt davon, dass sie ihre Kundinnen beim Einkauf berät. Und um zu wissen, wohin sich der Trend gerade wendet, besucht sie viele Modenschauen. In Sachen Abendkleider begegnet ihr dort jedoch meistens eine Mode, die sich seit Jahren kaum verändert. „Alle Jahre wieder Pailletten, Strass und Glitzer. Dass sich wenig verändert, liegt auch daran, dass die meisten Frauen Kleider suchen, die sie viele Jahre lang tragen können.“

Auffällig ist derzeit allenfalls, dass einige Hersteller Kleider in den Handel schicken, die unterhalb der Hüfte mit schmeichelnd fließenden Stoffen auslaufen. Eleganz, die sich an die 1940er Jahre anlehnt und jeder schlanken und großen Frau steht. Daneben etabliert sich ein asymmetrischer Stil mit schräg zugeschnittenen Stoffen – entweder an den Schultern oder an den Beinen.

Wenn die Stylistin Frauen bei der Wahl eines Abendkleides berät, erzählt sie manchmal auch von eigenen Gewohnheiten. „Ich trage sehr viel Schwarz, das immer elegant und gut angezogen wirkt.“ Für den ganz großen Anlass wie eine Hochzeit ein langes Kleid, für Theater und Oper Dreiviertellängen. Bei Dekorationen rät sie ihren Kundinnen, auf ihren Instinkt zu vertrauen. „Eine sehr burschikose Frau wirkt sonderbar, wenn sie allzu viel Glitzer trägt.“ Nutzen kann sie ihn trotzdem. Der Glamour sollte nur gezielt eingesetzt werden – mit einem Schal beispielsweise oder einer Handtasche.

Schade findet Stephanie Zarnic, dass Abendmode zumeist nur noch für ganz besondere und deshalb auch eben ganz seltene Anlässe genutzt wird. „Ich sehe auch im Theater und in der Oper oft den Casual-Look. Es ist eigentlich traurig, dass uns immer stärker der Sinn abgeht, sich für einen besonderen Abend richtig schön zu machen.“ Zum Jahresende allerdings steigt das Interesse an Abendmode. „ Weihnachten und Silvester sind einfach schöne Anlässe für besondere Kleider.“

Rund wird der Auftritt, wenn das Gesamterscheinungsbild stimmt. Das beginnt bei der Frisur, geht über die Tasche und endet bei den Schuhen. Auch ein Kurzhaarschnitt lässt sich mit Gel und betonten Haarpartien verändern. Frauen mit langen Haaren haben es natürlich einfacher und können sich für Steckfrisuren entscheiden.

Dass auch die oft romantisch mit Locken und Korkenziehersträhnen ausfallen, wundert die Stylistin nicht – auch nicht bei älteren Frauen, die der Romantikphase eigentlich entwachsen sind. „Wer möchte nicht einmal die Prinzessin sein?“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2880189?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F198%2F2562521%2F4841134%2F
SEK-Beamte überwältigen Randalierer
Auf der ehemaligen Hofstelle Herbert im Kiebitzpohl sah es am Sonntagabend verheerend aus. Etliche Gegenstände, darunter zahlreiche Möbel, hatte der 38-jährige Randalierer aus dem Fenster geworden. Er sorgte für einen Großeinsatz der Polizei.
Nachrichten-Ticker