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So., 08.03.2009

Musik Superhits von der britischen Insel

Von unserer Mitarbeiterin Heike Eickhoff

Steinfurt - Ein Konzert, das ausschließlich mit Superhits des 17. Jahrhunderts für Tasteninstrumente bestückt ist, ist ein reizvolles Unterfangen. Wenn dann der großartige Gustav Leonhardt das Cembalo spielt und die Bagno-Konzertgalerie als perfekter Rahmen dient, kommt ein herausragendes Konzert zustande.

Viele Werke der ersten Hälfte sind im Fitzwilliam Virginal Book zu finden. Sie sind auf der britischen Insel nie ganz verklungen. Leonhardt spielte sie allesamt auf dem Cembalo, also etwas klangstärker, als die Briten sie einst hörten. Da zeigten sich Herzog und Herzogin von Brunswick in zwei kleinen Charakterskizzen von ihren besten Seiten in Kompositionen John Bulls. Ein Star der damaligen Komponistenszene, der sich auch in „Pavan und Galliard Lord Lumley“ wieder mit einem adeligen Herrn beschäftigte. Das ist lebendige, schlanke Musik, interessant und abwechslungsreich gesetzt, eine echte kleine Perle der Virginalmusik. Leonhardt, ein geradezu legendärer Cembalist, ist ein großer Kenner der alten Musik, und man kann sicher sein, dass seine Interpretationen ziemlich genau der ursprünglichen Aufführungspraxis entsprechen.

„The Queenes Alman“ von William Byrd beispielsweise adelte Leonhardt mit eleganten, flinken Verzierungen in den Wiederholungen, die die schlichte, fast im Volksliedton gehaltene Melodik des Themas zum delikaten Kleinod machten. Nicht aufgesetzt, sondern organisch sanft aus den Saiten fließend und trotzdem virtuos kommen alle Ornamente bei Leonhardt daher. Auch Byrd hatte es oft mit dem Adel: „Lord Willoghbys Welcome Home“ ist ein fröhliches Stück. Es eröffnete das Konzert, und man fühlte sich schon nach den ersten Takten musikalisch zu Hause. Thomas Tomkins und William Randall vervollständigten die Riege der Briten, zwei italienische Komponisten (Giovanni Picchi und Luigi Rossi) beendeten die erste Hälfte.

Beim Gang in die Konzertpause blieben viele Zuhörer vor dem Cembalo stehen und bestaunten das Instrument (das allerdings in der warmen Konzertgalerie die Stimmung nur bedingt hielt und Leonhardt oft zum Stimmschlüssel greifen ließ). In der zweiten Konzerthälfte dann zwei Meister des europäischen Festlandes, die für das Cembalo komponierten: Johann Jacob Froberger und Girolamo Frescobaldi. Von beiden stellte Leonhardt jeweils eine Auswahl an einzelnen kürzeren Werken, von Froberger auch noch ein ganze Suite, vor. Satz für Satz so subtil wie lebendig.

Gustav Leonhardt ist einer der besten Cembalisten überhaupt, seine langjährige Erfahrung vergoldet sein Spiel mit einer fast kecken Distanz. Die unterhaltsame Auswahl der Werke sorgte dabei für einen bunten Abend. Stehende Ovationen.

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