Fr., 12.03.2010

Autotest Nichts für Städter

Von Gunnar A. Pier

Da sitzen wir nun also. Drei Städter verloren auf dem Land. Wadentief versunken im durchnässten Boden. Die Räder drehen sich noch, doch der Wagen bewegt sich keinen Millimeter mehr. Festgefahren im Morast, das Ende einer übermütigen Testfahrt abseits der Straße. Drei Jungs schauen sich ratlos an. Wir haben den Jeep versenkt. Na prima.

Dabei hatte bis dahin alles so gut geklappt. Die lange Fahrt auf der Autobahn zum Beispiel: Obwohl der Cherokee einen betont spröden Charme verbreitet und zumindest lauthals nach der Buckelpiste schreit und nicht wie viele ähnlich ausschauende Konkurrenten heimlich um langweiligen Asphalt fleht, entwickelt der Jeep auch hier deutliche Stärken. Der 2,8-Liter-Diesel ist deutlich zu hören, was wohl die raue Attitüde unterstreichen soll, doch der große Wagen reist komfortabel über Land. Die 177 PS und üppigen 460 Newtonmeter Drehmoment werden bei jedem Tritt aufs Gaspedal spürbar. Dabei ist es egal, ob der Jeep in der Stadt kurz mal spritzig antreten soll oder bei höherem Tempo auf der Autobahn zum Überholen noch einmal beschleunigt. Sehr angenehm.

Geschmackssache hingegen ist das Interieur. Spröder Charme auch hier: Hartplastik bestimmt den Stil, ist bestimmt sehr robust und abwaschbar, aber nicht gerade edel. Auf sympathische Weise altmodisch ist, dass Drehknöpfe des Fahrers Wünsche an die Klimaautomatik übertragen. „Höchster Nutzwert für unsere Kunden stand im Mittelpunkt der Innenraum-Gestaltung“, wird Radek Jelinek , Geschäftsführer von Jeep-Mutter Chrysler Deutschland zitiert. Das glaubt man ihm: Nutzwert ja, allzu großer Komfort eher nicht. Oder warum gibt es keine Abstellfläche für den linken Fuß? Platz ist doch reichlich vorhanden. Wäre das dann doch zu viel Komfort für die mutigen Helden im schweren Gelände?

Dafür gibt es großzügige Sitze und einen originellen Haltegriff, der vor dem Beifahrer quer am Handschuhfach befestigt ist. Sollte also der Jeep-Fahrer mutig einen steilen Hang hinabfahren, was dank Bergabfahrassistent wunderbar klappt, behält der Co-Pilot sicheren Halt.

Zurück zur Test-Tour auf schlammigem Terrain. Gerade noch hat sich der Geländewagen von seiner besten Seite gezeigt. Bergauf, bergab, das Automatikgetriebe hilft. Es lässt sich umschalten vom üblichen Zweiradantrieb auf eine Allrad-Automatik, die die Kraftübertragung auf alle vier Räder regelt. Wenn´s ganz eng wird, lässt sich auf Geländeuntersetzung schalten: mehr Kraft, weniger Geschwindigkeit.

All das hilft den Städtern im ländlichen Morast nicht. Kein Vor, kein Zurück. Ein Schlachtplan muss her, ein Rettungskonzept.

„Ich rufe mal an“, sagt der Kumpel auf dem Beifahrersitz. Er kennt da jemanden mit Radlader. Fluchend kommt der angerollt, spannt lange Seile und gibt beherzt Gas. Das ist die Rettung für uns Möchtegern-Geländefahrer. Kleinlaut fahren wir heim.

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