Winzige Gesundheitsdiebe
Mi., 01.02.2012
FH Münster hat Maschinen mit Kaffeepads und -kapseln untersucht und viele Keime gefunden
Damit der Kaffee auch weiterhin schmeckt, ist Hygiene wichtig. Wer die Maschinen zu selten reinigt, muss mit hohen Keimbelastungen rechnen.
Münster - Tagelang haben sie Tanks gefüllt und Kaffee gebrüht. Zwischendurch immer wieder die Qualität des Wassers in den unterschiedlichen Zubereitungsstufen untersucht und die Innenwände der Maschinen vorsichtig abgetupft. Prof. Friedrich Titgemeyer hatte durchaus mit Keim-Funden gerechnet. Die tatsächliche Zahl jedoch überrascht den Leiter des Labors für Lebensmittelsicherheit an der Fachhochschule Münster: „Dass die Keimzahlen in Tanks und an Wänden so hoch waren, hatte ich nicht erwartet.“
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Titgemeyer und die Ökotrophologin Hedwig Schindler haben gängige Modelle für Kaffeepads und -kapseln getestet, Geräte also, die in immer mehr Haushalten Kaffee und Espresso portionsgerecht für eine Tasse brühen. Die gute Nachricht der Untersuchung: Akut gesundheitsgefährdend ist keine Probe ausgefallen.
Kaffeeliebhaber, die es mit der Hygiene allerdings sehr nachlässig halten, könnten langfristig Probleme bekommen.
In einem Stresstest haben die Forscher dem Trinkwasser, dessen Qualität sehr gut war, zwei Millionen Keime hinzugefügt. Im gebrühten Kaffee fanden sich davon noch 200 000 wieder. „Dieser Stresstest ist dann realistisch, wenn eine Maschine über Jahre hinweg genutzt und nicht gereinigt wird“, sagt Titgemeyer.
Gleichfalls bedenklich: „Wir haben das Wasser an verschiedenen Stellen während des Zubereitungsvorgangs getestet und in allen Fällen hohe Keimzahlen gefunden.“ In einem Fall entdeckten die Forscher Keime auch im fertig gebrühten Kaffee.
An den Innenwänden konzentrierten sich die Bakterien besonders stark. „Wenn sie zu selten gereinigt werden, lassen sich dort mit Tupfern Millionen Keime nachweisen“, gibt der Forscher zu bedenken.
Sein Team untersuchte die Maschinen auch nach Darmbakterien wie Salmonellen und Ehec und entdeckte sie in den Kapseln der Hälfte der getesteten Maschinen. Die Konzentration jedoch erwies sich als unbedenklich. Dennoch haben sie dort nichts zu suchen. Die Lösung gegen Keimoffensiven kann nur Hygiene heißen. Titgemeyer empfiehlt Pflege in drei verschiedenen Stufen.
► „Der Wassertank muss regelmäßig mit Bürste und Spülwasser gereinigt werden.“ Unter „regelmäßig“ versteht er eine Säuberung einmal pro Tag, um Bakterien keine Chance in dem feuchten Klima zu geben.► Genauso wichtig ist die Entkalkung der Maschine. Das Forscherteam rät dazu, möglichst einmal monatlich, mindestens aber in Drei-Monats-Abständen Zitronensäure aus dem Einzelhandel zu verwenden. Von Essig raten die Experten ab. „Er ist zu aggressiv und greift die Kunststoffdichtungen an.“ Kalk beeinflusst übrigens auch die Brühtemperatur und verringert sie bei hartnäckigem Belag.► Außerdem sollte im Tank nie dauerhaft Wasser stehen. Das Trinkwasser sollte erst eingefüllt werden, wenn der Kaffee gekocht werden soll.► Täglich sollten im Tank die Seitenwände und das Ventil mit einem Spültuch gesäubert werden. Dieses Tuch sollte einwandfrei sein. Und das ist es für Titgemeyer nur, wenn es täglich gewechselt oder abends zwei Minuten in kochendes Wasser gelegt wird. „Wischlappen sollten bei 60 Grad in der Waschmaschine oder bei 50 Grad in der Spülmaschine gewaschen werden.“
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