Neue Lust auf Handarbeit
Aus Basteln wird Crafting: Nähen, Stricken und Häkeln liegt im Trend

Stricken, nähen, häkeln: Altbekannte Handarbeitstechniken, die schon Großmütter und Urgroßmütter beherrschten. Genau diese Techniken sind aber wieder stark angesagt. Allerdings nicht nur bei der Generation 65 plus. Immer mehr junge kreative Menschen greifen zu Nadel und Faden.

Montag, 14.01.2013, 11:01 Uhr

Die Handarbeitsbranche freut‘s, stellt die doch einen steigenden Umsatz fest. 2011 sind in Deutschland über eine Milliarde Euro für Handarbeitsbedarf ausgegeben worden. Nach Erhebungen der Initiative Handarbeit gab es ein Umsatzplus im Vergleich zum Jahr 2010 von 2,5 Prozent. „Das ist großartig, gibt es doch viele Bereiche, in denen die Umsätze stark rückläufig sind“, sagt die Pressesprecherin der Initiative, Angela Probst-Bajak .

Die Deutschen sind also wieder gern in ihrer Freizeit kreativ. Das hat auch Trendforscher Peter Wippermann , Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen, festgestellt. Der hat für die Branche im vergangenen Jahr eine Studie erarbeitet. Sein Fazit: Handarbeiten, Kochen und Gärtnern gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen, die auf jeden Fall Zukunft haben. Der Do-it-yourself-Trend (DIY-Trend), so Wippermann, habe die Nische verlassen und sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Der Trendforscher erklärt die neue Lust an der Handarbeit mit der veränderten, globalisierten und zunehmend anonymen Welt: „Seitdem sich die Mehrzahl der Menschen nicht mehr mit der Produktion von Waren, sondern mit der Herstellung von Wissen, Ideen und Dienstleistungen beschäftigt, ist ein Vakuum entstanden.“ Damit verknüpft sei die Sehnsucht nach dem Handgemachten, nach sinnlichen Erfahrungen und sinnvollen Erlebnissen. „Viele Menschen wollen wieder etwas in der Hand haben“, so Wippermann.

Dass vor allem die Näh-Szene größer geworden ist, registriert die Creativa, Europas größte Messe für kreatives Gestalten. Die findet vom 13. bis 17. März in den Westfalenhallen Dortmund statt. „Das Angebot im Bereich Stoffe, Garne und Nähmaschinen ist von 2009 bis 2012 um nahezu 50 Prozent gewachsen“, bilanziert Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Dortmund GmbH. Karolin Heinrigs, Pressesprecherin der Creativa, überrascht es so gar nicht, dass viele junge Menschen Lust aufs Handarbeiten haben. „Die Schnittmuster sind frecher, die Garne innovativer, die Stoffe bunt und modern geworden“, sagt Heinrigs. Kurzum: Der Muff ist weg. Wer kreativ sein möchte, hat es längst nicht mehr mit verstaubten und altbackenen Materialien zu tun. Und noch etwas hat sich geändert: Wer sich heute an die Nähmaschine setzt, der will nicht unbedingt Geld sparen. „Immer häufiger geht es darum, eigene Ideen und einen persönlichen Look umzusetzen“, so Angela Probst-Bajak.

Wesentlichen Anteil am Größerwerden der Do-it-yourself-Bewegung hat das Internet. Darin sind sich alle Experten einige. Es gibt im Virtuellen unzählige Blogs und Foren für Kreative. Und sie haben ihre eigenen Netzwerke. Etsy ist Weltmarktführer in dem Segment. Laut Initiative Handarbeit bieten auf der Plattform 800 000 registrierte Verkäufer aus über 150 Ländern ihre selbst gemachten Produkte an. Beim Deutschen Wettbewerber Dawanda sind 85 000 Hersteller von Handgemachtem registriert. Peter Wippermann wertet die Netzwerke vor allem auch als virtuelles Schaufenster. Man strickt nicht mehr nur für sich und die eigene Familie, sondern für die ganze Welt. Das beflügele den Trend. Wippermann spricht übrigens nicht mehr vom Basteln: Bei ihm heißt es Crafting. Das klinge professioneller. Wohl wahr.

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