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Fr., 03.01.2014

„Münster-Morbid“-Kalender Selbst Wilsberg wird nicht verschont

Haben ihren Kalender zum Fressen gern: Hanno Endres (l.) und Tilmann Rademacher. Die kleinen Fotos zeigen zwei Motive daraus.

Haben ihren Kalender zum Fressen gern: Hanno Endres (l.) und Tilmann Rademacher. Die kleinen Fotos zeigen zwei Motive daraus. Foto: Peter Sauer

Münster - 

Münster steht Kopf: Beim Radfahren studiert ein Leezenritter mit Kopfhörer die Straßenverkehrsordnung, ein Nachtwächter entzündet bei den Bordsteinschwalben an der Siemensstraße sein romantisches Laternenlicht, ein Weihnachtsmann jagt ein Tanzmariechen, Männer in Anzügen grillen Grauschwan Petra am Aasee und versenken das weiße Tretboot. Das alles und noch viel mehr zeigt der „Münster morbid“-Kalender 2014.

Von Peter Sauer

Fotograf Hanno Endres und Konzeptkünstler Tilman Rademacher sowie ihr rund 20-köpfiges Team aus bekannten Vertretern der hiesigen Kulturszene haben Schlagzeilen aus Münsters Blätterwald einmal bewusst wörtlich genommen, manche Werbetitel oder Gesetzestexte ordentlich überinterpretiert und das Ganze an Münsters schönsten Orten überzeichnend fotografiert.

In anarchistischer Flashmob-Manier und mit einem mobilen Einsatzkommando aus Kostüm- und Maskenbildnern im Schlepptau entstanden in wenigen Minuten, bevor Polizei oder Ordnungsamt irgendwie hätten eingreifen können, vor den Augen der Passanten rabiat-respektlose Münster-Ansichten im Hochglanzformat.

Rademacher und Endres jonglieren gekonnt mit den Gegensätzen. Mit einem unbändigem Schalk im Nacken und bitterböser Situationskomik zeigen sie, wie schon bei ihrem höchst erfolgreichen „ Münster morbid“-Erstling im vorigen Jahr, die dunklen Seiten der „liebenswertesten Stadt der Welt“.

Selbst Münsters bekannte TV-Vertreter müssen diesmal dran glauben. Vor seinem Antiquariat wird Detektiv Wilsberg ermordet – und Börne und Alberich fotografieren sich stolz mit dem Handy am „Tatort“. Die ganze Szenerie wirkt täuschend echt. Auch das ist eine der Stärken von Endres und Rademacher, die erneut ein vom Touristenkitsch total befreites Münster als neues Kalendarium in die Büros und Wohnstuben bringen und dabei zugleich für jede Menge Gesprächsstoff sorgen.

Denn es sind nicht nur toll bebilderte Gags, sondern auch Provokationen, die zwischen den Zeilen gerne mal zum Nachdenken oder Zoffen anregen sollen. Wenn es etwa um übertriebene Polizeieinsätze geht oder um Münsters Spardebatte im Kulturbereich.

Der „Münster morbid“-Kalender eignet sich damit vortrefflich für einen satirisch-sarkastischen Jahresrückblick wie für einen inspirierenden Ausblick auf 2014. In dem man bei Schlagzeilen und Werbekampagnen mit mehr Sprachbewusstsein hantieren sollte. Ansonsten läuft so mancher Münsteraner Gefahr, zum Motiv für 2015 zu werden.

 

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