Kommentar
Mit Worten die Welt anrühren - Bob Dylan bekommt den Literaturnobelpreis

Die Schwedische Akademie hält dicht – bis zu jenem Tag, an dem sie den Literaturnobelpreisträger verkündet. Auch diesmal kam keiner der Favoritennamen zum Zuge, kein Romancier, kein Lyriker, kein Autor unter aktuellem politischen Druck, kein Historiograph. Nein: Ein Musiker, Sänger und Liedschreiber bekommt den Preis: Bob Dylan

Donnerstag, 13.10.2016, 14:10 Uhr

Bob Dylan
Bob Dylan Foto: dpa

Ein Mann, der Liedtexte schrieb, die in ihrer luftigen und duftigen Sprache die Erde umrundeten. Ein Poet, dessen bildreiche und kraftvolle Poesie gerade auch durch die Musik dauerhafte Wirkung erlangte. Seine Lieder sind im besten Sinne Evergreens und überdauern Moden, Trends und „Wellen“. Die Akademie überrascht mit der Wahl eines Musik-Poeten, aber ihr Votum ist schlüssig.

Auch Dario Fo, den jetzt mit 90 Jahren gestorbenen Theatermann , hatte 1997 niemand auf der Rechnung. Nicht nur dies vereint die beiden Preisträger, sondern auch ihr Ansinnen, Menschen mit Sprache zu erreichen, anzurühren, zu treffen, die Tiefen des Lebens auszuloten, sich für die Sache der Schwachen einzusetzen. Der Preis unterstreicht, wie wichtig das gedichtete und nachhallende Wort in unserer friedlosen Zeit ist.

Bob Dylan - Die Karriere eines Weltstars

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  • Die 70er Jahre sind eine wechselhafte, schwierige Zeit für Dylan: die Trennung von Sara Lowndes, eine gewisse künstlerische Stagnation (abgesehen vom herausragenden „Blood On The Tracks“ und in Teilen „Desire“). Auch für die 80er fällt die Bilanz im Rückblick durchwachsen aus: einige schwache Platten, Alkoholprobleme, chaotische Konzerte.

    Foto: Istvan Bajzat
  • „Das gleiche wie Einstein für die Physik“ sei Bob Dylan für die Popkultur, schrieb das US-Magazin „Newsweek“ vor einiger Zeit. „Einer der großen - wenn nicht der größte - Songschreiber des 20. und 21. Jahrhunderts“, sagt der Historiker und Dylan-Experte Sean Wilentz. Am Dienstag (24. Mai) wird der als Robert Allen Zimmerman in Duluth/Minnesota geborene Dylan 75 Jahre alt. Sein weltweiter Einfluss ist kaum hoch genug einzuschätzen.

    Foto: Istvan Bajzat
  • Mit Protestsongs wie „Blowin‘ In The Wind“ oder „The Times They Are A-Changing“ revolutionierte Dylan Anfang der 60er Jahre noch als Akustik-Folk-Sänger die gesellschaftliche Relevanz der populären Musik. Als Erfinder des elektrischen Folkrocks mit Meisterwerken wie „Like A Rolling Stone“ wies er einer ganzen Musikergeneration neue Wege.

    Foto: Sony Music
  • Seinen Karriere-Einstieg beschreibt der „Picasso des Songs“ (so später sein Kollege Leonard Cohen) in der auch literarisch hochwertigen Autobiografie „Chronicles“ (2004) so: „Amerika wandelte sich. Ich ahnte eine schicksalhafte Wendung voraus und schwamm einfach mit dem Strom der Veränderung. Das ging in New York genauso gut wie anderswo.“ Erste Konzerte in kleinen Folkclubs, erste Plattenaufnahmen, der erste Vertrag mit dem Label Columbia - aber noch deutet nichts darauf hin, dass hier einer die Musikwelt auf den Kopf stellt. Das ändert sich mit dem Song „Blowin‘ In The Wind“.

    Foto: UPI
  • Wilde, wütende Lieder wie „Masters Of War“ oder „A Hard Rain‘s A-Gonna Fall“ qualifizieren Dylan für die Protest-Folk-Bewegung um Joan Baez - und für den Marsch der Bürgerrechtler („Civil Rights March“) mit Martin Luther King nach Washington.

    Foto: Frank Leonhardt
  • Doch weder die Rolle eines Folk-Idols mag Dylan auf Dauer annehmen noch die der politischen Symbolfigur. Also mutiert er abermals - diesmal zum Rockmusiker mit elektrischer Gitarre und lauter Band. Auf den neuen Song „Maggie‘s Farm“ reagieren Fans beim Newport Folk Festival mit Buhrufen.

    Foto: Frank Leonhardt
  • Die komplette Rehabilitierung gelingt 1997 mit dem ersten großen Alterswerk „Time Out Of Mind“.Seitdem hat Dylan trotz immer brüchiger werdender, schnarrender Stimme einen Lauf, setzt Ausrufezeichen wie „Modern Times“ (2006) oder „Tempest“ (2012).

    Foto: Niels Meilvang
  • Selbst sentimentale Sinatra-Gedächtnisplatten wie „Shadows In The Night“ (2015) kann er sich nun locker leisten. Und seine Alben steigen in den Charts so hoch wie selbst in den 60ern nicht.

    Foto: Abir Sultan
  • In meist ausverkauften Konzerten strahlt der ältere Herr mit dem schmalen Bärtchen, den grauen Locken und dem schicken Hut Würde und Gelassenheit aus. +++(c) dpa - Bildfunk+++

    Foto: Vi Khoa
  • Dylans Auszeichnungen sind kaum noch zu zählen: elf Grammys, der Oscar für einen Filmsong, der Pulitzer-Preis für „lyrische Kompositionen von außerordentlicher poetischer Kraft“, die 2012 von Präsident Barack Obama verliehene „Presidential Medal of Freedom“ als höchste zivile Auszeichnung der USA.

    Foto: Jim Lo Scalzo
  • Ein Waisenknabe: Mit 20 sollte der Sänger einen Vertrag mit dem Label Columbia unterschreiben, damals war er aber noch nicht volljährig. Weil er keine Lust hatte, seine kleinbürgerlichen Eltern aus Duluth/Minnesota zur Unterschrift herbeizuholen, erklärte sich Dylan kurzerhand zum Waisen. Damit lief der Deal.

    Foto: Vi Khoa
  • Sammler-Wahnsinn: Dylan wertet sein Lebenswerk so gründlich aus wie kaum ein anderer Musiker. Die Phase Mitte der 60er Jahre mit drei Schlüsselalben fasste er kürzlich als „The Cutting Edge 1965-1966“ zusammen, in einer Luxusedition mit 379 Tracks auf 18 CDs. „Jeder Ton dieser Sessions ist hier enthalten.“

    Foto: Domenech Castello
  • Das Cover des Albums «Fallen Angels» von Bob Dylan. Das Album erscheint am 20.05.2016.

    Foto: Sony Music
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