Fr., 04.09.2015

Kölner Wahldebakel Das Versagen hat System

Die Griechenland-Krise wurde und wird von den Deutschen mit Argwohn und einer Portion Überheblichkeit beobachtet. Doch eines gelang dem Fast-Pleite-Staat fast immer: Stimmzettel für Wahlen oder (fragwürdige) Plebiszite wurden in angemessener Frist und Form gedruckt. Genau daran ist die Stadt Köln gescheitert – für eine Abstimmung über den Bürgermeister, die seit einem Jahr terminiert ist. Ein Kommentar.

Von Frank Polke

Deutschlands viertgrößte Stadt, in der schon das Wort „Kölscher Klüngel“ das eigene Versagen verniedlichen und damit in den Folgen verharmlosen soll und die es sich leistet, über Karneval (am liebsten vom 11.11. bis zum Karnevalsdienstag) das öffentliche Leben einfach anzuhalten, wählt also später.

Nicht schlimm, geschuldet der rheinischen Lässigkeit, die für viele Menschen die Stadt so anziehend macht? Nein, doch schlimm. Das Versagen ist eben nicht fahrlässig, sondern hat System und hat – siehe Einsturz des Landesarchivs – Menschenleben und unschätzbare immaterielle Werte vernichtet. Personen, Parteien und Politiker haben sich die Stadt (und ihre lukrativen Aufsichtsratsposten) einverleibt. Die Folge: Köln versinkt im Mittelmaß, hat längst den Anschluss an andere ­Me­tropolen wie Hamburg, München oder Düsseldorf verloren.

Ja, liebe Kölner, an Düsseldorf. Auch der rheinische Konkurrent verströmt Lebensfreude, kann feiern, versprüht Charme. Aber die Landeshauptstadt bietet ihren steuerzahlenden Bürgern etwas, von dem Köln nur noch träumen kann: eine effiziente Verwaltung, die sich in den Dienst ihrer Bürger als Souverän stellt.

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