Kommentar: Der letzte Dienst
Europäischer Staatsakt für Helmut Kohl

Ludwigshafen -

Das positive Vermächtnis wirklich bedeutender Staatsmänner reicht im besten Fall weit über deren Tod hinaus. Der Ruf nach einem europäischen Staatsakt für den verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Kohl zeigt dies.

Montag, 19.06.2017, 06:06 Uhr

Helmut Kohls Witwe Maike Kohl-Richter beugt sich am 18.06.2017 in Oggersheim (Rheinland-Pfalz) bei Ludwigshafen vor dem Haus des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) zu den vor dem Haus abgelegten Blumen und Kerzen hinunter.
Helmut Kohls Witwe Maike Kohl-Richter beugt sich am 18.06.2017 in Oggersheim (Rheinland-Pfalz) bei Ludwigshafen vor dem Haus des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) zu den vor dem Haus abgelegten Blumen und Kerzen hinunter. Foto: dpa

Natürlich war Helmut Kohl der Kanzler der Einheit. Sein politisches Gespür versetzte ihn damals wie keinen Zweiten in der bundesrepublikanischen Politikerriege in die Lage, den richtigen weltpolitischen Moment zu nutzen, um im Osten und im Westen die Widerstände gegen die deutsche Einheit zu brechen.

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Doch die Bedeutung Kohls reicht weit über die Überwindung der deutschen Teilung hinaus: Der gerade im linken Lager oft belächelte Politiker aus der Pfälzer Provinz handelte nach einem inneren Kompass, dessen Nadel immer in Richtung Europa zeigte. Kohl ließ nie einen Zweifel, dass ein wiedervereinigtes und stärker werdendes Deutschland nie eine Mittlerrolle zwischen Ost und West einnehmen soll und darf, sondern seinen politischen Platz im Herzen Europas hat – mit enger Verbundenheit zu den Vereinigten Staaten. Dafür stand Kohl als Politiker, als Mensch ein, dafür warb er bei Mitterrand in Paris und Gorbatschow in Moskau, dafür stritt er bei Thatcher in London. Seine Glaubwürdigkeit übertrugen die Staatslenker immer auf die Deutschen als Nation.

Altkanzler Helmut Kohl gestorben

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  • Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt in der DDR jubelten Kohl rund 130.000 DDR-Bürger zu. (Archivfoto vom 20.02.1990)

    Foto: Heinz Wieseler
  • Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) während der Gespräche über deutsch-französische Wirtschaftsfragen im Oktober 1982.

    Foto: Egon Steiner
  • Aus dem Goldenen Hahn der Stadt Münster trinkt Altbundeskanzler Helmut Kohl im Oktober 2001 im historischen Rathaus in Münster den Ehrentrunk.

    Foto: Bernd_Thissen
  • Helmut Kohl in Münster im Oktober 2001.

    Foto: Bernd_Thissen
  • Der französische Präsident Francois Mitterrand (l) und Bundeskanzler Helmut Kohl (r) reichen sich am 22.09.1984 über den Gräbern von Verdun die Hand - ein Symbol für die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland.

    Foto: Wolfgang Eilmes
  • Wiedervereinigung: Bundeskanzler Helmut Kohl (2.v.r.) winkt am 3.10.1990 zum Geläut der Freiheitsglocke von der Freitreppe des Berliner Reichstages. Neben Kohl (von links) Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Hannelore Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Archivbild vom 16.08.1996 zeigt den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Frau Hannelore an ihrem Urlaubsort St. Gilgen mit dem Berner Sennenhund Felix.

    Foto: Stephan Jansen
  • Das Bild vom 21. September 1990 zeigt Bundeskanzler Helmut Kohl im Gespräch mit dem SPD-Ehrenvorsitzenden Willy Brandt anläßlich einer Diskussion über die deutsch-deutsche Vereinigung im Büro des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, in Bonn.

    Foto: dpa
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhält sich am 27.09.2012 im Deutsch-Historischen Museum in Berlin mit Altbundeskanzler Helmut Kohl. Rechts Maike Richter-Kohl, die Frau des Altkanzlers.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Helmut Kohl (l) im Gepräch mit Michail Gorbatschow.

    Foto: dpa
  • Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sitzt am 16.05.2014 in Oggersheim (Rheinland-Pfalz) im Garten seines Wohnhauses vor einem Originalstück der Berliner Mauer.

    Foto: Uwe Anspach
  • Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) spricht am 26.06.2013 in Berlin bei der Denkmalenthüllung zu Ehren von Käthe Kollwitz.

    Foto: Michael Kappeler
  • Die britische Premierministerin Margaret Thatcher, Bundeskanzler Helmut Kohl und der US-amerikanische Präsident Ronald Reagan (l-r) am 3. Mai 1985 auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Bonn.

    Foto: dpa
  • Helmut Kohl (r) während seiner Rede am 01.10.1982 vor der geheimen Abstimmung im Bundestag über das konstruktive Misstrauensvotum zum Sturz von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD, l). Kohl prägte Deutschland über 16 Jahre als Kanzler und die CDU als Vorsitzender während eines Vierteljahrhunderts.

    Foto: Martin Athenstädt
  • Der gestürzte Bundeskanzler Helmut Schmidt (r, SPD) gratuliert seinem Nachfolger Helmut Kohl (M, CDU) im Bundestag in Bonn zu dessen Wahl (Archivfoto vom 01.10.1982).

    Foto: B3503 Jörg Schmitt
  • Bundeskanzler Helmut Kohl (r) während der Debatte über den Beschäftigungsgipfel am 3.11.1997 im Bonner Bundestag mit Bundesarbeitsminister Norbert Blüm.

    Foto: Michael Jung
  • Altkanzler Helmut Kohl gestorben Foto: Ronald Wittek
  • Altkanzler Helmut Kohl gestorben Foto: epa Keystone Martial Trezzini

Die Geste der Verbundenheit an den Gräben von Verdun und die Einführung des Euro (dessen wirtschaftliche Geburtsfehler er der politischen Doktrin Europa unterordnete) – das war für ihn Dienst am Frieden. Der von EU-Kommissionspräsident Juncker vorgeschlagene erste europäische Staatsakt würde der aktuell darbenden europäischen Identität in der Tat helfen – und wäre der letzte Dienst an Kohls politischer Lebensleistung.

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