Mo., 04.03.2013

Gesellschaft wird zahlen Zerreißprobe Mindestlohn

Die Bundesregierung hat es nicht leicht mit ihren Freunden: Kaum bewegt sich die Union unter dem Druck bevorstehender Wahlen beim Thema Mindestlohn, hebt aus einem Teil der Unternehmerschaft ein Wehgeschrei an, das dem Problem nicht gerecht wird. Letztendlich geht es nämlich um die Frage, wie viel Subvention sich die Gesellschaft leisten kann.

Von Michael Lehner

Es widerspricht nicht nur der christlichen Soziallehre, sondern auch dem Empfinden einer großen Mehrheit, wenn Menschen mit einem Vollzeitarbeitsplatz nicht über die Runden kommen – von der höchst konservativen Überzeugung, dass ein Lohn eine Familie ernähren muss, ganz zu schweigen. Auch die Kinderkrippe und das Altenheim als Folge des oft erzwungen Doppelverdiener-Daseins finanziert der Steuerzahler.

Ebenfalls klar: Von der alten Regel, dass Erwerbsarbeit mehr einbringen muss als Nichtstun, haben wir uns längst verabschiedet. Wenn altliberale Pfiffikusse deshalb auf die Idee kommen, einfach die Sozialleistungen weiter abzusenken, müssten sie vorher die Verfassung ändern, die weitere Kürzung nicht zulässt.

Für den Preis kommt die Masse der Arbeitnehmer ebenso auf wie die große Mehrheit der Unternehmen, die ihre Leute anständig bezahlen. Und viele Bürger begreifen nicht, dass da ein Problem für Generationen angehäuft wird: Dem Hungerlohn folgen Renten, die hinten und vorne nicht reichen – letztlich wieder zum Schaden der braven Steuerzahler.

Wer solche Last in Ordnung findet und zugleich Steuersenkungen einfordert, hat entweder keine Ahnung von Volkswirtschaft oder kein Verantwortungsbewusstsein fürs Gemeinwohl. Und die Beschwörungen auf die Tarifhoheit klingen aus solchem Mund besonders hohl: Mal sehen, was die Verkünder der reinen Lehre sagen, wenn die Forderung auf den Tisch kommt, dass Tariflöhne verbindlich werden sollten.

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