Handball-Kreisliga: Spannung pur an der Tabellenspitze

So., 12.02.2012

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Spannung pur im Hexenkessel

Handball-Kreisliga: Spannung pur an der Tabellenspitze : Spannung pur im Hexenkessel

Kommt ein Carsten Portheine geflogen: Gronaus Nummer vier, fünffacher Torschütze am Samstagabend, war es vorbehalten, nach einem genialen Spielzug den letzten Treffer der Gastgeber zu erzielen. Foto: aho

Gronau - 

Mehr Spannung geht nicht. Ein durch und durch packendes Spiel lieferten sich Spitzenreiter SuS Neuenkirchen und Verfolger Vorwärts Gronau, beide seit Monaten ungeschlagen. Da es einen knappen Sieger gab, endete in Gronau eine Erfolgsserie.

Von Stefan Hoo

So dicht dran am Sieg über den ungeschlagenen Klassenprimus. Dann der Schock: Zwei-Minuten-Strafe gegen Daniel Haarhuis, den Topscorer in dieser Spitzenpartie. Zu spielen sind noch exakt 117 Sekunden. 24:23 führen die Hausherren. Nun droht Vorwärts Gronaus Youngster-Team der Sieg noch aus den Händen zu gleiten.

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Der SuS Neuenkirchen wirft alles nach vorne, will in jedem Fall im Hexenkessel Laubstiege punkten. Doch auch in Unterzahl steht die Gronauer Abwehr kompakt, verschiebt gut, erlaubt dem zweitstärksten Angriff der Liga kaum eine Chance. Bis es doch passiert. Plötzlich tut sich die Lücke auf, kommt ein Gästespieler nahezu unbedrängt am Kreis zum Wurf. Das ist die Gelegenheit, auf die der SuS hingespielt hat. Knapp 60 Sekunden sind noch zu spielen. Und was macht Sebastian Klaas? Wie eine gelbe Wand baut sich Gronaus junger Keeper vor dem Neuenkirchener auf, zaudert keinen Moment, wehrt tatsächlich auch diesen Versuch ab. Wie in den Minuten zuvor, als er Wurf um Wurf abwehrte, meistert Klaas auch diese Situation, macht damit den Sieg fast perfekt.

In den hektischen Schlusssekunden lässt sich Vorwärts den Sieg nicht mehr entreißen. Der Klassenprimus ist geschlagen, muss in Gronau in seinem 16. Saisonspiel die erste Niederlage hinnehmen. Die stark verjüngte Mannschaft von Vorwärts Gronau und Aufstiegsfavorit SuS Neuenkirchen weisen in diesem Moment die gleiche Punktzahl (27:5) auf. Als dritte Mannschaft mischt Eintracht Mettingen im Titelkampf mit. Spannung pur in der Handball-Kreisliga.

Bejubelt wird am Samstagabend aber nur das Gronauer Team. Nicht ganz 200 Zuschauer (bis auf die Fans im Gästeblock) sind schier aus dem Häuschen. Die Blau-Weißen werden gefeiert, lassen sich feiern. Die Fans haben sich dazu von ihren Plätzen erhoben, klatschen wie entfesselt, bauen so selbst die Spannung ab, die sich von Minute zu Minute in diesem Spitzenspiel aufgebaut hat. „Wir wollen die Mannschaft sehen“, fordern die Anhänger. Und die Mannschaft zeigt sich. Der Spitzenreiter-Bezwinger holt sich den Beifall ab, den er sich besonders in einer famosen zweiten Halbzeit verdient hat.

Die Frage nach dem Sieger (sollte es überhaupt einen geben) ließ sich an der Laubstiege bis zum Abpfiff nicht vorab beantworten. Abgesehen von einer kurzen Schwächephase in den Minuten vor dem Seitenwechsel agierte Verfolger Vorwärts Gronau immer auf Augenhöhe mit dem erklärten Aufstiegsfavoriten. Die Gäste, die in ihren zwei Spielen zuvor insgesamt stolze 77 Treffer erzielt hatten, trafen auf eine Gronauer Abwehr, die nicht alles, aber vieles richtig machte. „Endgültig haben wir Neuenkirchen den Zahn gezogen, als wir ihre Außen aus dem Spiel genommen haben“, gab Jürgen Lammers später zu Protokoll. Der verletzte Routinier coachte gemeinsam mit Benno Schlünsen für die aus privaten Gründen verhinderte Trainerin Karola Westhoff das Team. Mit Erfolg.

So gelang es keiner Mannschaft, sich irgendwann einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Bis zum 7:7 ging es immer über Gleichstand, wechselte die Führung hin und her. Als die Gronauer dann 9:7 und wenig später 10:8 führten, bedeutete auch das nichts. Neuenkirchen antwortete schnell und nutzte die Chance zur 14:12-Pausenführung, als die Gastgeber abgesehen vom unermüdlichen Sven Kiefer und Strafwurf-Spezialisten Daniel Haarhuis nur A-Jugendliche auf dem Spielfeld hatten. Die ließen in dieser Phase doch die eine oder andere Chance zu viel liegen.

Diesen Zwei-Tore-Rückstand machten die Hausherren zwar binnen einer Minute wett, aber dann schien es so, als ob die ambitionierten Gäste dieses Gipfeltreffen für sich entscheiden sollten. Über 16:14, 17:15, 18:16 und 19:17 ließen sie bis Mitte des zweiten Durchgangs nichts anbrennen. Der gastgebende Herausforderer kam nicht richtig heran, verhinderte jedoch zumindest, dass sich die Gäste einen größeren Vorsprung verdienten. Das Spiel stand auf der Kippe, als genau in diesen Minuten Sebastian Klaas immer mehr zum Rückhalt wurde. Auch dank seiner Paraden verlor Vorwärts nie den Glauben an sich selbst, raffte sich zu einer unglaublichen kämpferischen Leistung auf, die schließlich nach 46 Minuten mit dem 19:19 und nach 49 Minuten mit dem 20:19 belohnt wurde.

Was folgte, war emotional kaum zu überbieten. Längst feuerten die Gronauer Fans ihre Mannschaft frenetisch an, fieberten mit, klatschten, jubelten, hätten vermutlich selbst bei einem Feueralarm die Halle nicht verlassen. Diese Schlussphase wollte sich niemand entgehen lassen. Niklas Agsten ließ auf sein 20:19 auch gleich das 21:19 folgen, dann rückte wieder Klaas in den Mittelpunkt, ehe Neuenkirchen in der 54. Minute doch wieder ausgeglichen hatte. Aber einen an Sebastian Heuer verwirkten Strafwurf verwandelte Haarhuis zum 23:22 (54:41 Minuten), dann erhöhte Carsten Portheine nach einem genialen Spielzug auf 24:22 (55:54 Min.). Nun wankte der Spitzenreiter bedenklich – und fiel. Mit 24:23 behielt Vorwärts Gronau die Oberhand.

Vorwärts Gronau: Sebastian Klaas, Achim Bevers (Tor), Hendrik Ludewig (1 Treffer), Carsten Portheine (5), Max Wienandts, Sven Kiefer (4/1), Marc Neururer, Daniel Haarhuis (10/7), Sebastian Heuer, Valentin Wienandts, Floris Verbeek (1), Niklas Agsten (2), Maik Visschedyk, Tobias Dankbar (1).

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