Schiedsrichter-Notstand
Fr., 10.02.2012
Neue Strafen gegen Schiri-Notstand
Dass im Fußballkreis Lüdinghausen gleich drei Schieds- und Linienrichter in Schwarz auflaufen, wie hier vor dem Landesligaderby zwischen Davaria Davensberg und dem SV Herbern, ist die ganz große Ausnahme. Die Verantwortlichen sind froh, wenn alle Spiele bis in den Jugendbereich durch wenigstens einen Neutralen betreut werden.
Bezirk Lüdinghausen -
Seit Jahren ist die Zahl der Männer und Frauen an der Pfeife im Fußballkreis Lüdinghausen rückläufig. Auch überregional herrscht Schiri-Notstand. Der Fußballverband Westfalen hat seine Strafen gegen Vereine, die den Kreisen zu wenige Referees melden, nun modifiziert – mit unterschiedlichen Reaktionen von den Klubs.
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„Es wird immer über die Schiedsrichter gemault und gemeckert, aber keiner will‘s machen.“ Der Befund von Werner Heitmann, Vorsitzender von Fußball-Landesligist SV Herbern, trifft wohl den Kern. Seit Jahren geht die Zahl der Männer und Frauen an der Pfeife im Fußballkreis Lüdinghausen stetig zurück. Auch überregional ist die Kickerszene nicht gerade mit Referees gepflastert. Um dem Notstand endgültig einen Riegel vorzuschieben, hat der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) den Strafkatalog für Vereine, die den Kreisen nicht genügend Schiedsrichter melden, verändert.
Mit Zuckerbrot und Peitsche will der Verband die Zahl der Referees in den Sollbereich heben. Mit einem neuen Zwei-Stufen-Plan wurde der alte Passus, dass die letzte Seniorenmannschaft eines Vereins mit zu wenigen Schiris mit Zwangsabstieg bestraft werden kann, gekippt. Auf der anderen Seite wurden die Strafgelder für jeden fehlenden Unparteiischen um 100 Euro angehoben. Wer im zweiten Jahr das Schiri-Soll nicht zu mindestens 60 Prozent erfüllt, darf keine Turniere mehr austragen. Vereine können sich von der letztgenannten Sanktion allerdings „freikaufen“, wenn sie die doppelte Summe des im ersten Jahr festgelegten Ordnungsgeldes zahlen.
Dieses ist von Verein zu Verein unterschiedlich und richtet sich jeweils nach der Zahl der Mannschaften bei den Senioren, Frauen sowie A- und B-Junioren. Mit berücksichtigt wird auch die Ligazugehörigkeit des spielstärksten Teams. So muss Landesligist SV Herbern mit mehreren Männer-, Frauen- und Nachwuchsmannschaften elf Schiris rekrutieren, Davaria Davensberg, die ebenfalls in der Landesliga spielt, aber einen bei weitem nicht so starken Unterbau hat wie der SVH, nur sechs. Bezirksligist Union Lüdinghausen mit drei Seniorenteams und zweien im oberen Jugendbereich ist mit acht Schiris dabei.
„Das müssen wir streng nachhalten, und das ist eine ganz schöne Arbeitsleistung“, sagt Karl-Heinz Schulze, der als Schiedsrichterobmann des Fußballkreises Lüdinghausen Soll und Ist der Vereine sowie die Mindesteinsätze jedes einzelnen Unparteiischen kontrolliert.
Keine Sorgen über Strafgelder und Turnierverbot müssen sich zurzeit der VfL Senden und Fortuna Seppenrade machen. A-Kreisligist Senden ist seit Jahren Primus im Fußballkreis, muss acht Neutrale stellen und hat aktuell neun Männer an der Pfeife. Auf exakt die gleiche Bilanz hat im letzten Jahresquartal Bezirksligist Fortuna Seppenrade nachgezogen. Exakt im Soll ist der SV Herbern (elf/elf), knapp hinterher hinken Bezirksligist TuS Ascheberg (fünf/vier) und A-Kreisligist Blau-Weiß Ottmarsbocholt (vier/drei). Sorgenkinder des Fußballkreises in Sachen Schiedsrichterversorgung sind die Davaren und Union. Während in Davensberg aktuell drei statt sechs Aktive an der Pfeife Dienst gemeldet, sind es am Westfalenring vier statt acht.
Die Reaktionen aus den Klubs auf den neuen Zwei-Stufen-Plan sind unterschiedlich. „Ob sich die Vereine jetzt mehr ins Zeug legen“, bleibt abzuwarten“, sagt Georg Goerdt, Abteilungsleiter bei BWO. Positiv findet er allerdings, dass das Damoklesschwert eines Zwangsabstiegs vom Verband abgehängt wurde. „Da hätte man eine Mannschaft für den ganzen Verein bestraft“, so Goerdt.
Für den SVH-Vorsitzenden Heitmann ist der neue Strafkatalog aus Kaiserau ausgesprochen fair. „Irgendwann müssen sie machen, sonst tun die Vereine nichts“, sagt er. Noch weiter geht Michael Becker, Geschäftsführer von Fortuna Seppenrade: „Meinetwegen könnten die Bußgelder noch weiter erhöht werden.“ Becker ist selbst als Schiedsrichter tätig. Ebenso wie Thorsten Brinkschulte vom VfL Senden, der den Verbandsplan allerdings mit mehr Skepsis sieht: „Für den VfL Senden hat das keine Auswirkungen, aber für kleinere Vereine, die Schwierigkeiten haben, Schiedsrichter zu finden, wird es noch schwieriger.“
Das grundlegende Problem liegt für Brinkschulte aber woanders: „Viele junge Schiedsrichter werden verheizt, etwa bei Begegnungen, wo von draußen viel Aggression ins Spiel gebracht wird.“
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