60-Jähriger schwimmt in Deutschlands Spitze munter mit / Jetzt lockt die WM in Italien
Mi., 01.02.2012
Petersen taucht nicht ab
Wasser ist sein Element: Andreas Petersen.
Münster -
Zahlen sind seine Welt. Beruflich wie sportlich. Während die Affinität zu Ziffern als Dozent in Worms und als Unternehmensberater auf der Hand liegt, sammelt Andreas Petersen auch im Schwimmbecken eindrucksvolle Zahlen, besser Zeiten. Optimal gelang dies dem 60-Jährigen im Sommer in Hannover, als er sich bei den deutschen Meisterschaften der Senioren (Masters) in der AK 60 den Titel über 50 m Freistil sicherte. Und das in beachtlichen 29,03 Sekunden. Mit der Staffel der SG Wuppertal kam über die 4 x 50 m ein weiterer erster Platz hinzu. In diesem Quartett fand sich unter anderem auch Peter Nocke wieder. „Wir sind Uralt-Freude, marschieren schon seit Jahren zusammen“, klärt der aus einem 800-Seelen-Dorf in Schleswig-Holstein stammende Schwimmer die Beziehung zum vier Jahre jüngeren Ex-Weltmeister und neunfachen Europameister auf.
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Aus dem hohen Norden verschlug es Petersen zunächst nach Wuppertal. Was auch erklärt, warum das inzwischen seit 40 Jahren in Münster wohnende Nordlicht aus Taarstedt nach wie vor für die SG Wuppertal startet. „Wir bekommen noch immer so viele Aktive zusammen. Zudem unternahmen wir auch viel gemeinsam. Da bot sich kein Wechsel an“, erläutert Petersen, der in Münster Physik, Mathematik und Wirtschaftswissenschaften studierte. Ende der 70er Jahre zog er auch drei Jahre für die SV 91 Münster seine Bahnen, kehrte dann aber zu den Wuppertaler Wurzeln zurück.
Was bis heute Bestand hat. Fünf bis sechs Wettkämpfe bestreitet er pro Jahr. Um für die Herausforderungen fit zu sein, trainiert er bis zu fünf Stunden wöchentlich. Im Winter im münsterischen Ostbad, im Sommer inzwischen überwiegend in Wuppertal. „Früher bin ich in die Coburg gegangen. Das lag nahe, da ich als Radfahrer ohne Autoführerschein in meinem Radius einschränkt bin. Doch irgendwann wurde das Wasser zu kalt. Und mit Alternativen ist Münster nicht gerade üppig gesegnet“, suchte der Wahl-Gievenbecker nach einer besseren Lösung. Letztlich verband er berufliche mit Trainingsterminen, taucht somit häufiger in Wuppertal auf – und ein.
„Es muss einfach Spaß machen. Das gilt für das Training, aber auch für die Auswahl der Wettkämpfe. Zumal auch die Substanz langsam nachlässt und nur durch einen größeren Trainingsaufwand aufgefangen werden könnte“, so Petersen. Dass er sich dennoch in guter Form präsentiert, liegt an seinem Kampfgewicht. Der 1,88 m große Schwimmer hält seine 87 kg. Obwohl er erst vor knapp 20 Jahren wieder in den Wettkampfsport zurückkehrte. „Die Veranlagung zum Zulegen ist glücklicherweise nicht da“, schmunzelt er.
Sicher auch ein Grund, warum die guten Resultate vom vergangenen Juli in Hannover kein Einzel- oder gar Zufall waren. Bei den Hallen-Titelkämpfen in Berlin schlug er im November jeweils über 50 m und 100 m Freistil als Dritter an, verbuchte neben zwei zweiten Staffel-Plätzen über die Freistil- und Lagendistanz mit dem Brust-Quartett über die 4 x 50m die Meisterschaft. Durchaus beeindruckend. „Inzwischen ziehe ich die lange Bahn der kurzen vor. Denn die Rollwende verbraucht schon eine Menge Sauerstoff und somit Kraft“, sagt Petersen.
Da trifft es sich gut, dass das nächste Highlight im 50-m-Becken stattfindet. Mitte Juni ruft die WM der Senioren im italienischen Riccione. Unter die rund 3500 Starter mischt sich auch ein Dutzend aus Wuppertal. Natürlich mit Andreas Petersen, der sogar ein Jubiläum feiern wird. Denn vor 50 Jahren, nämlich 1962, bestritt er seinen ersten Wettkampf. Seither sind Zahlen und Schwimmen seine Welt.
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