Fr., 11.01.2013

Zwischen den Sätteln Radprofi im Wartestand: Linus Gerdemann wartet auf Angebote erster Klasse

Die Zeiten, als Linus Gerdemann das Team Radio­shack anführte, sind vorbei.

Die Zeiten, als Linus Gerdemann das Team Radio­shack anführte, sind vorbei. Foto: Roth

Münster/Mallorca - 

Lange Zeit war es still geworden um Linus Gerdemann. Sein Vertrag bei Team Radio­Shack Nissan-Trek lief zum Jahresende aus, im Spätherbst wurde ihm mitgeteilt, dass die Zusammenarbeit am 31. Dezember enden würde. Da waren in den Top-Teams die besten Plätze bereits besetzt. Nun befindet sich der Radprofi aus Münster im Warte-Modus. Glaubt er, noch ein gutes Team finden zu können: „Stand heute? Ja.“

Von Alexander Heflik

Es soll aber kein x-beliebiges Team sein, keine drittklassige Klitsche, die den Rundfahrt-Spezialisten bei kleinen Rennen verheizt. „Ich habe da weiterhin einen gewissen Anspruch. Ich möchte die schweren Rennen bestreiten, ein vernünftiges Rennprogramm bekommen. Eine Verzweiflungs-Unterschrift wird es von mir nicht geben.“

Natürlich sei die Situation ungewohnt für ihn, der 2007 eine Etappe der Tour de France gewann, der 2008 die Deutschland-Tour siegreich bestritt, der in der größten Krise von T-Mobile Team als Anti-Doping-Schutzschild aufgespannt wurde. Er hat schon vieles erlebt in seiner Karriere. Die Suche nach einem Rennstall zu diesem Zeitpunkt ist etwas Neues: „Die Situation ist nicht angenehm, wirklich keine gute Situation. Aber ich habe einige Kontakte.“ Er macht das jetzt selbst, von der Berater-Agentur von Christian Baumer hat er sich friedlich getrennt. Keiner verliert ein böses Wort über den anderen. „Ich hab Linus als sehr professionellen, zielstrebigen und zuverlässigen Menschen kennengelernt“, stellt Baumer, der seit Jahren auch Fabian Wegmann (Münster/Team Garmin) betreut, fest.

Die vergangene Saison hakte Gerdemann als „Seuchenjahr“ ab. Höhepunkt war die Nicht-Berücksichtigung für die Tour de France. Aber mit 30 Jahren will er weiterfahren, in seine acht Profisaison gehen. Er gehört zu den wenigen deutschen Fahrern, die eine einwöchige Rundfahrt auf einem Spitzenplatz beenden können. Gerdemann ist ein Allrounder. Das Grundlagen-Training hat er, der in Süd-Frankreich seine Wahlheimat gefunden hat, vorangetrieben, um auf den Balearen den nächsten Schritt der Vorbereitung im Alleingang bestreiten zu können. Warum würde er sich sonst jetzt auf Mallorca intensiv vorbereiten? – Seine eigene Frage ist rhetorisch gemeint. Er hat nicht vor, jetzt klein beizugeben.

Gerdemann: „Ich muss warten, Geduld haben, auch wenn das schwerfällt.“ Der Rest wird sich ergeben, davon ist er überzeugt.

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