> > Preußen Münster

Mo., 04.03.2013

Kara, Kara und Kara Münsters Mittelfeldmagier entscheidet das Derby im Alleingang

Mehmet Kara

Kam gar nicht mehr aus dem Jubeln: Winterneuzugang Mehmet Kara erzielte in 14 Minuten drei Tore. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Dieses Derby werden sich einige Preußen-Anhänger in ihren privaten Fußballschrein stellen. Vor allem weil es der 29-jährige Heimkehrer Mehmet Kara war, der innerhalb von 14 Minuten ein ganzes Fußballspiel auf den Kopf stellte.

Von Alexander Heflik

Für ein paar Augenblicke schien die Zeit stehen zu bleiben. Er nahm den Ball mit einem ausgestreckten Bein wie ein Balletttänzer vor dem Sprung an. Dann streichelte er die Kugel, erst mit dem rechten Fuß, gefolgt von einem Übersteiger, dann das Spielgerät auf links gelegt als würde Sol Gabetta den Bogen über ihr Cello fliegen lassen.

Die Gegenspieler wirken wie Tanzschüler in der zweiten Unterrichtsstunde, hilflos dem Lehrer folgend, der eine schlittert ins Leere, der andere auch, für sie ist es ein Gewirr karaesker Bewegung: Zu schnell, zu irritierend, zu gut. Der Abschluss macht aus der rasanten Folge von Aktionen ein Kunstwerk, vielleicht gibt es Mathematiker, die die Flugbahn berechnen können, der Ball segelt wie selbstverständlich in die Maschen.

Kara im Quadrat, nein Kara hoch drei wird es am Ende heißen. Dies war schon der dritte Streich, dieses war das 3:0 im Derby gegen den VfL Osnabrück, fabriziert auf eine fantastische Art und Weise.

Karas 14-Minuten-Spektaktel

Erster Akt: Nach zwölf Minuten fliegt der Ball in die Osnabrücker Hälfte, Dennis Grote spielt Kara an, der stoppt diesen mit der Brust und überwindet aus spitzem Winkel Tormann Manuel Riemann. Gekonnt.

Zweiter Akt: Sieben Minuten später erobert sich der SCP mit Gegenpressing den Ball, Amaury Bischoff beherrscht das Umschaltspiel perfekt und findet fast schon blind den Kara. Weil Tormann Riemann etwas übereifrig aus dem Tor kommt, wird er flugs von dem Preußen-Angreifer umkurvt und sieht den Ball schon wieder im Tor liegen. Rasant.

Dritter Akt: Fabian Hergesell mit einem Querpass eröffnet das Spektakel, dieses Solo von Kara zum 3:0. Im Fußball sind solche Momente eher selten, in der 3. Liga eine Rarität. Unglaublich. Betörend.

Nach 26 Minuten ist der Spitzenreiter aus Osnabrück mausetot, gedemütigt und vorgeführt von, na klar, Kara. Auf den Rängen flippen nicht wenige Zuschauer aus, und zwar im ganz und gar positiven Sinne.

"

Ich habe die Bälle halt gut aufgelegt bekommen von meinen Mitspielern.

Mehmet Kara

"

Streng gottesgläubige Menschen könnten es als Blasphemie deuten, diesen tausendfach gesungenen, diesen siebensilbigen metrischen Stakkato-Klang von „Meh-met-Ka-ra-Fuß-ball-gott“. Dabei ist es nur die Verneigung der Ränge.

Kara ist das selbst nicht ganz geheuer, natürlich gefällt ihm das schon, andererseits errötet er fast ob solcher Hymnen.


Und während viele Preußen-Anhänger feucht-fröhlich den dritten Derbysieg im dritten Derby dieser Saison gegen die Rivalen aus Osnabrück (2:0 und 3:1) und Bielefeld (4:0) feiern, andere im neusten hippen italienischen Ristorante Rotwein und Pasta genüsslich verspeisen sowie Trainer Dotchev tiefenentspannt am Abend seine traditionelle Siegeszigarre daheim in Paderborn schmaucht, will Kara nur heim. „Meine Frau und das Kind warten, vielleicht fahre ich noch bei meinen Eltern vorbei. Das genügt mir.“ Das genügt ihm.


Mehr zum Thema

Leserkommentare

 

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 2.5 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 2.4/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Artikel




 

WN-Mobil Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

WN-Aktionen

Immer mehr drin
Exklusive Angebote für WN-Kunden - wie funktioniert das? mehr...
Anzeige


http://www.wn.de/ezrecommendation/request?productid=news&eventtype=consume&itemtypeid=2&itemid=1120743&categorypath=/2/84/61/94/216/