Mi., 01.08.2012

Trotz Handicap zum Landwirt hochgearbeitet „Ich wusste: Das ist mein Traum-Beruf“

Trotz Handicap zum Landwirt hochgearbeitet : „Ich wusste: Das ist mein Traum-Beruf“

Jan-Henning Roes ist stolz. Jüngst hat er die Prüfung zum Landwirt mit der Note 2,9 abgeschlossen. Foto: W. Gerharz

Münsterland - 

Jan-Henning Roes ist von Geburt an rechtsseitig gelähmt. Seit er klein ist, wollte er dennoch Landwirt werden. Den Wunsch konnte er sich mit 20 Jahren erfüllen, weil er nie sein Ziel verlor und von einem ganzen Netzwerk unterstützt worden ist.

Von Julia Gottschick

Als Jan-Henning Roes als frischgebackener Landwirt bei seinem künftigen Arbeitgeber in Ennigerloh anrief und als Erstes gestand, er habe ein Handicap – da reagierte der ganz gelassen. „Kein Problem“, sagte er dem 20-Jährigen, „ich bin auch nur ein Mensch.“

Dass er Landwirt werden wollte, wusste Roes von klein auf: seit er auf dem Hof seines Patenonkels im Kreis Borken erstmals auf dem Trecker saß und im Stall half. Allein, seine Behinderung ließ das Unterfangen zunächst heikel erscheinen. Der 20-Jährige ist von Geburt an rechtsseitig gelähmt. „Ich bin drei Monate zu früh geboren und hatte eine Gehirnblutung“, erzählt er.

Nie das Ziel vor Augen verlieren

Sein Erfolgsrezept: Nie sein Ziel aus den Augen lassen. So schloss er nach ei­nem Schulpraktikum ein Ein-Jahres-Praktikum auf dem Hof von Werner Konermann in Mün­ster an, der sich auf Sauen und Ferkelzucht spezialisiert hat. Und der Betriebsleiter merkte schnell: „Der Jan-Henning, der will das.“ Konermann nahm Roes drei Jahre in die Ausbildung und hat es nicht bereut.

„In diesem Beruf bringst du deine Fähigkeiten so auf den Punkt, dass dein Handicap nicht auffällt,“ gab er ihm gestern mit auf den Weg. Natürlich saß Roes an manchem Abend fix und fertig in der Küche. Ausgelaugt von Aufgaben, bei denen ihm seine Behinderung im Weg stand – und die er doch mit Biss und Disziplin bewältigt hatte.

Probleme bei der Feinmotorik

„Bei der Feinmotorik hapert es“, räumt er ein. In der Ferkelbehandlung etwa, wenn es gilt, das Tier mit beiden Händen festzuhalten – damit es nicht abhaut. Roes ist einer von 75 Absolventen seines Jahrgangs aus dem Münsterland, aber der einzige mit Handicap. Geholfen hat ihm ein ganzes Netzwerk im Hintergrund. So standen ihm Experten der Ausbildungsberatung der Landwirtschaftskammer und Fachlehrer am Landwirtschaftlichen Berufskolleg zur Seite.

Ein ganzes Netzwerk unterstützt ihn

Das Integrationsamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) übernahm die Kosten für Trecker- und Anhängerführerscheine, zahlte ihm sowohl eine Praktikumsprämie vor der Ausbildung als auch eine Startprämie an den ausbildenden Landwirt als Arbeitgeber-Anerkennung. Der Verein „Lernen fördern“ hingegen unterstützte ihn durch Nachhilfe und Integrations-Reha-Maßnahmen.

Wie Jan-Henning Roes so ist, hat er jetzt bereits das nächste Ziel vor Augen. „Erstmal zwei Jahre arbeiten – und dann würde ich gern auf die Höhere Landwirtschaftsschule gehen“, sagt er – und seine Mama Kerstin nickt stolz dazu. „Ich möchte da anderen Mut machen, die vielleicht auch ein Handicap haben.“

Google-Anzeigen

Leserkommentare

 

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 4.5 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 4.5/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend


 

WN-Mobil Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/935762?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F695422%2F1045532%2F