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Di., 03.06.2014

Betrugsvorwurf wegen Scheinbüro Strafverteidiger in Untersuchungshaft

Münster - 

Ein münsterischer Rechtsanwalt sitzt in Untersuchungshaft. Er soll in Hamburg ein Scheinbüro angemietet haben, um bei Gerichtsterminen in Münster höhere Fahrtkosten abrechnen zu können.

Von Martin Kalitschke

Schwerer Vorwurf gegen einen münsterischen Strafverteidiger: Wegen angeblich gewerbsmäßigen Betruges sitzt der 52-jährige Ralf A. seit vergangener Woche in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft wird er verdächtigt, bei Gerichtsterminen zu hohe Fahrtkosten und zu hohe Abwesenheitszeiten abgerechnet zu haben. Auf diesem Weg soll er aus der Landeskasse etliche Tausend Euro erhalten haben, die ihm überhaupt nicht zustanden.

In seiner Eigenschaft als Pflichtverteidiger habe A. in mindestens fünf Fällen die Strecke Hamburg – Münster abgerechnet, berichtet der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Heribert Beck. Der Anwalt habe angegeben, von seinem Büro an der Rothenbaumchaussee in Hamburg zu Gerichtsterminen nach Münster gefahren zu sein. Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen habe sich jedoch ergeben, dass A. das Büro in Hamburg offenbar nur zum Schein angemietet hatte. Tatsächlich soll er von Münster aus zu den Gerichtsterminen gefahren sein. Damit legte er offenbar nur einen Bruchteil jener Kilometer zurück, die er bei seinen Abrechnungen angab. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass A. den mutmaßlichen Spesenbetrug mit Hilfe des Hamburger Scheinbüros zu einer „ständigen Einnahmequelle“ machen wollte.

Beck berichtet von einem Prozess, für den der Anwalt elf Fahrten zwischen Hamburg und Münster abrechnete – insgesamt 4700 Euro. Für einen weiteren Prozess habe er 2500 Euro erhalten. In drei Fällen sei das von A. abgerechnete Geld seit Juli 2013 vom Land ausgezahlt worden, in zwei weiteren Fällen sei es beim Betrugsversuch geblieben.

An einer Autobahn-Ausfahrt bei Bielefeld war der Anwalt am vergangenen Mittwoch verhaftet worden. Es habe Verdunklungsgefahr bestanden, so Beck. Seitdem sitze A. in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauerten an.

A. ist Mitglied einer Anwaltskanzlei in der münsterischen Innenstadt. Auf seiner Homepage berichtet er von seiner 20-jährigen Anwaltstätigkeit und betont, dass er mit Kanzleien in ganz Deutschland kooperiere.

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