Mo., 08.09.2014

Weltalphabetisierungstag am 8. September Leben ohne Schrift

Auch in Münster gibt es tausende Analphabeten.

Auch in Münster gibt es tausende Analphabeten. Foto: dpa

Münster - 

In Münster quälen sich schätzungsweise 27 000 Analphabeten mit ihrer Lese- und Schreibschwäche. Einfache Sachen wie die Karte im Restaurant, ein neuer Vertrag oder eine eingegangene SMS können für sie puren Stress bedeuten. Eine Bestandsaufnahme zum Weltalphabetisierungstag am 8. September.

Von Markus Lütkemeyer

Analphabetismus ist verbreiteter als viele denken. Sogar in einer Bildungsstadt wie Münster. Der Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung mit Sitz in Münster hat ausgerechnet: Wenn bundesweit neun Prozent der Bevölkerung nicht richtig lesen oder schreiben können, dann gibt es in Münster schätzungsweise 27 000 funktionale Analphabeten.

Doch nur 60 Betroffene haben im letzten Jahr an einem Lese- und Schreibkursus der Volkshochschule teilgenommen – nicht lesen zu können, ist in Deutschland ein Tabuthema. „Die Dunkelziffer ist enorm“, bestätigt Heike Epping-Hellrung von der Volkshochschule Münster (VHS). Sicherlich sei die Lage in Münster besser als zum Beispiel im Ruhrgebiet. Trotzdem nennt sie die Zahlen „erschreckend“.

Durch die Schule „geflutscht“

Viele Betroffene hätten Strategien entwickelt, ihre Lese- und Schreibschwäche zu verschleiern. „Es sind viele dabei, die durch die Schule ‚geflutscht‘ sind, ohne dass der funktionale Analphabetismus dort ausgefallen ist“, erklärt Epping-Hellrung. In vielen (aber nicht allen) Fällen sei eine Lernstörung die Ursache für die Lese- und Schreibschwächen. Bei Migranten sei es häufig so, dass ihnen das Lesen- und Schreiben in ihren Herkunftsländern nicht beigebracht wurde. Von den 7,5 Millionen Funktionalen Analphabeten in Deutschland hat allerdings die Mehrheit Deutsch als Erstsprache gelernt.

Telefonservice Lesen und Schreiben

Persönliche Beratungstermine können unter ✆ 0 25 1 / 492 - 43 21 vereinbart werden.

In vielen Berufen hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein Wandel zu mehr Schriftlichkeit vollzogen. „Wer zum Beispiel in der Pflege arbeitet, kommt heute kaum noch um die Dokumentation der Arbeit vorbei“, so die VHS-Fachleiterin. Tatsächlich sei die Motivation der Betroffenen, die sich für Lese- und Schreibkurse melden, häufig „der Arbeitsplatzerhalt“, so Epping-Hellrung. „Immer häufiger bekommen wir auch Anfragen von Unternehmen, die uns Angestellte für Kurse empfehlen.“ Auch das Jobcenter bietet Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitssuchende an, die Lese- und Schreibkurse enthalten.

Hilfe für Betroffene

Betroffene können sich bei der VHS melden: Allein schon die Erkenntnis, mit dem eigenen Problem nicht allein zu stehen, sei für viele Menschen eine große Hilfe. Der Einstieg in die Lese- und Schreib-Kurse sei jederzeit nach einer intensiven und vertraulichen Beratung möglich.

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