Di., 06.01.2015

Riesige Resonanz auf Demonstrations-Aufruf 10.000 Münsteraner protestieren gegen Pegida

Mit Kerzen zogen Tausende Münsteraner am Montagabend durch die Innenstadt, um gegen die Pegida-Bewegung zu demonstrieren.

Mit Kerzen zogen Tausende Münsteraner am Montagabend durch die Innenstadt, um gegen die Pegida-Bewegung zu demonstrieren. Foto: Oliver Werner

Münster - 

(aktualisiert um 8.30 Uhr) Münster hat am Montagabend ein starkes Zeichen gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung gesetzt. Rund 10.000 Menschen kamen zu einer Demonstration für Gleichheit, Freiheit, Vielfalt und Toleranz

Von Klaus Baumeister

„Ich möchte in Münster keine Bilder haben wie in Dresden.“ Der Mann, von dem dieser Satz stammt, heißt Stephan Orth, 22 Jahre alt, gebürtiger Rheinländer. Bis Montagabend war Orth „nur“ ein einfacher Theologiestudent, abends in Münsters Innenstadt mutierte er dann zum Held.

Aus Verärgerung über die dummen Sprüche der aus Dresden stammenden, islamfeindlichen Pegida-Bewegung organisierte Orth eine Anti-Pegida-Demonstration in Münster. Sie war so erfolgreich, dass dem jungen Studenten bei der Moderation mitunter die Worte fehlten.

Die gewünschten Bilder aber waren umso beeindruckender – und gänzlich anders als in Dresden: Rund 10 000 Pegida-Gegner zogen nach Angaben der Polizei vom Prinzipalmarkt durchs Kiepenkerlviertel in Richtung Überwasserkirche und dann weiter zum Domplatz. Als dort die ersten Demonstranten ankamen, hatten sich letzten am historischen Rathaus noch nicht einmal in Bewegung gesetzt.

Ihre Botschaft war ein Bekenntnis zu „Gleichheit, Freiheit, Vielfalt und Toleranz“, so der offizielle Titel der Demonstration. Oder wie es die FDP-Fraktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff in ihrem Statement auf der Domplatzbühne ausdrückte: „Münster ist nicht Pegida.“ Dem Musiker Steffi Stephan entfuhr beim Blick auf die Menschenmasse gar der Satz: „Ich bin stolz auf Münster.“

In den politischen Redebeiträgen wurde immer wieder betont, wie wichtig es sei, die Pegida-Bewegung in Münster erst gar nicht Fuß fassen zu lassen. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz drückte es so aus: „Pegida ernst nehmen heißt, Pegida politisch zu bekämpfen.“ Auch für die Partei AfD fand Polenz klare Worte: „Die Reise geht ins völkische Lager.“

Der Bundestagsabgeordnete Huberts Zdebel (Linke) gab sich kämpferisch: „Wir machen Pegida die Straße streitig.“ Der grüne Bürgermeister Gerhard Joksch kritisierte die Strategie der islamkritischen Bewegung, Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan „gleichzusetzen mit religiösen Fanatikern“. Vor eben diesen Fanatikern seien die Menschen ja geflüchtet.

Diese Verkennung von Ursache und Wirkung hatte auch den Organisator Orth auf den Plan gerufen: „Wir dürfen die Flüchtlinge nicht in eine Schublade packen mit ihren Peinigern.“

Bleibt nachzutragen, dass der Student die Ausgaben für die Bühne vorfinanziert hat. Während der Kundgebung ließ er einen Klingelbeutel rundgehen. Ausreichend Mitstreiter waren ja da.

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