Sa., 07.02.2015

Bauleiter muss Areal bis Mitte März übergeben Bagger knabbern sich durch den Bahnhof

Bauleiter Matthias Badengoth an seinem Long-Front-Betonzerkleinerer. Ehe das „Krokodilsmaul“ die Wände des ehemaligen Bahnhofsgebäudes abknabbern kann, muss für jeden Bereich des Altbaus die Statik nachgerechnet werden. Oft fehlen die Unterlagen von früher, und wegen der vielen Umbauten in den zurückliegenden Jahrzehnten muss Badengoth ziemlich behutsam vorgehen. Denn die Nachbarhäuser links an der Direktion sollen unversehrt bleiben....

Bauleiter Matthias Badengoth an seinem Long-Front-Betonzerkleinerer. Ehe das „Krokodilsmaul“ die Wände des ehemaligen Bahnhofsgebäudes abknabbern kann, muss für jeden Bereich des Altbaus die Statik nachgerechnet werden. Oft fehlen die Unterlagen von früher, und wegen der vielen Umbauten in den zurückliegenden Jahrzehnten muss Badengoth ziemlich behutsam vorgehen. Denn die Nachbarhäuser links an der Direktion sollen unversehrt bleiben.... Foto: hpe

Münster - 

Matthias Badengoth hat bis Mitte März für den Abriss des Hauptbahnhofs Zeit. Dann muss er das Areal an die Bahn übergeben. Einen Problemfall stellt der Keller des Bahnhofs dar. Er muss mit Wasser geflutet werden, damit er nicht nach dem Abriss des Gebäudes aufsteigt.

Von Helmut P. Etzkorn

Der Hauptbahnhof ist für Dipl. Ing. Matthias Badengoth (46), Geschäftsführer der Hiltruper Bauunternehmung BLR, schon so etwas wie zu einer zweiten Heimat geworden. Fünf Jahre lang erneuerten seine Leute mit schwerem Gerät die Bahnsteige, gossen Betonkonstruktionen und spannten Brücken über die Fußgängertunnel. Sie sorgten so dafür, dass der Verkehrsknotenpunkt endlich Aufzüge, Rolltreppen und ein modernes Outfit bekommen hat.

Auch beim kompletten Abbruch der alten Expressgutabfertigung am Bremer Platz waren seine Spezialisten aktiv.

Jetzt muss Badengoth wieder ran, und diesmal steht sein Abrissprojekt tagtäglich im Fokus der Öffentlichkeit. Am Bauzaun zücken Passanten ihre Smartphones und machen Fotos, wenn sich der 28 Meter hohe Long-Front-Betonzerkleinerer mit seinem „Krokodilsmaul“ durch die Wände des alten Bahnhofsbaus knabbert.

30 Tonnen schwere Träger, die früher das Dach des ehemaligen Kinos überspannten, sind inzwischen freigelegt und wurden dann mit einem 300 Tonnen-Spezialkran abgehoben. Alles von der Metallverkleidung über die Holzrahmen und Wandkabel bis zur Glasscheibe muss in Kleinarbeit sortiert und zerlegt werden, dann transportieren Sattelzüge den Bauschutt auf einen Recyclinghof der Firma in Hiltrup.

Inzwischen ist die frühere Tanzschule futsch, von der ehemaligen Disco liegen noch die Reste der großen Leuchter mit herausgeschraubten Kerzenbirnen am Boden zwischen Schalbrettern und zerborstenen Reklametafeln für den „Kaiserhof“.

Fotostrecke: Abriss am Bahnhof schreitet voran

In den nächsten Tagen soll auch die Haupthalle dem Erdboden gleich gemacht werden. Das Gebäude ist bereits entkernt, die alten Schließfachanlagen sind raus und die Kioske verschwunden. Ein Problem ist der Keller. Damit er nicht durch Regen- und Grundwasser aufschwemmt, muss er während der Abrissarbeiten mit Bauschutt aufgefüllt und am Grund stabilisiert werden. Später kommt dann Sand als Ausgleich rein. Eine Spezialtiefbaufirma rückt dann an und beginnt mit der Pfahlgründung für die neue Empfangshalle. Der Hochbau soll bis zum Sommer 2016 abgeschlossen sein.

Zwischen fünf und 15 BLR-Mitarbeiter sind auf der Baustelle aktiv, abgerissen wird rund um die Uhr. Zusatzscheinwerfer leuchten nachts die Baustelle aus, gegen den feinen Dreck gibt es ein spezielles Nebelgerät. Die Feuchtigkeit schlägt den unvermeidlichen Staub nieder, er kann nicht über die Straße zu Geschäften und Hotels ziehen. „Ohne die Maschine hätten wir wahrscheinlich viel mehr Beschwerden aus der Nachbarschaft“, meint Badengoth.

Bislang gab es nur einmal Ärger, weil Anwohner wegen des nächtlichen Lärms protestierten. „Ich hatte schon mit mehr Kritik aus der Nachbarschaft gerechnet. Scheinbar sind am Ende jetzt doch alle hier im Viertel froh, dass es endlich ein vorzeigbares Bahnhofsgebäude geben wird“, glaubt Badengoth.

Der enge Zeitplan könnte nur durch starken Forst im Boden gefährdet werden, danach sieht es aber nicht aus.

Auf Überraschungen in der alten Bausubtanz stoßen seine Leute fast täglich. Badengoth: „Einige Gebäudeteile sind fast 100 Jahre alt. Es gibt keine Grundrisspläne mehr, auch die Statik ist nicht für jeden Sektor in den Unterlagen dokumentiert und bei den zahlreichen Um- und Anbauten im Bestand müssen wir schon behutsam abreißen“, so Badengoth.

Deshalb wird jeder Bauabschnitt vermessen und statisch überprüft, ehe „unsere Jungs abknabbern.“

Je mehr von der alten Bausubstanz verschwindet, je mehr Platz bekommt BLR auch für das Aufstellen der Kräne, Bagger, und Raupen. „Am Anfang stand uns nur ein kleiner Innenhof zur Verfügung, jetzt haben wir viel freie Fläche.

Das macht das Rangieren und den Aufbau der Schuttcontainer für uns natürlich leichter“, sagt der Bauleiter. Irgendwann im März will Badengoth dann das Areal „fast besenrein“ übergeben. „Eigentlich ein ganz normaler Abriss. Aber ein viel beachteter“, sagt er.

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