Sa., 14.03.2015

Interview mit Kasper König „Chillida hat keinen Marktwert“

Kasper König hob 1976 die Ausstellung Skulptur-Projekte aus der Taufe.

Kasper König hob 1976 die Ausstellung Skulptur-Projekte aus der Taufe. Foto: RED

Münster - 

Kasper König, Gründer der Kunstausstellung Skulptur-Projekte, ist überzeugt, dass die Chillida-Skulptur keinen Marktwert hat. Würde sie verkauft und abgebaut, dann käme dies einer Zerstörung gleich, betont er im Interview.

Auch wenn vor und hinter den Kulissen viele Bemühungen laufen, die Chillida-Skulptur dauerhaft für Münster zu sichern – endgültig gerettet ist sie für den Rathausinnenhof noch längst nicht. Kasper König , Initiator der Skulptur-Projekte und bis 2012 Direktor des Kölner Museums Ludwig, schildert in unserer Zeitung seine Sicht der Dinge. Die Fragen stellte unser Redakteur Martin Kalitschke.

Herr König, wie bewerten Sie die aktuellen Turbulenzen um die Portigon- Kunst?

König: Die aktuelle Diskussion um den Kunstbesitz der ehemaligen WestLB lenkt leider von dem größeren Skandal ab: dass das unverantwortliche Finanzgebaren des Vorstandes und Aufsichtsrates der WestLB den NRW-Steuerzahler einen Milliardenschaden kostet.

2014 verkaufte das Land zwei Warhol-Gemälde für viel Geld in New York. Die Öffentlichkeit war teilweise erschüttert. War der Verkauf in Ordnung?

König: Gegen den Verkauf der Warhol-Arbeiten wäre nichts zu sagen, wenn das Geld der Kunstszene in Nordrhein-Westfalen zugute gekommen wäre, statt Löcher in einem Spielhallenbetrieb zu stopfen.

Ein Verkaufsargument lautete: Die Warhols waren ja auch zuvor nicht öffentlich zu sehen, konnten also verkauft werden. Was sagen Sie dazu?

König: Der Kunstbesitz der WestLB wurde nicht zu dekorativen Zwecken erworben. Er war immer gedacht als Ergänzung des allgemeinen Kunstbesitzes des Landes.

Gilt das auch für die Chillida-Skulptur?

König: Bei der in Zusammenhang mit den Skulptur- Projekten 1987 entstandenen Arbeit von Eduardo Chillida war Grundlage der Verhandlungen die Bereitschaft der WestLB, dem zweiten Hauptsitz Münster zu dem Stadtjubiläum 1993 ein Geschenk zu machen.

Ist es für Sie vorstellbar, dass dieses Kunstwerk innerhalb Deutschlands – denn ausgeführt werden darf es nun ja nicht mehr – veräußert wird?

König: Die Anregung zum Projekt von Chillida ging vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Jörg Twenhöven und von Prof. Dr. Klaus Bußmann aus. Die Konzeption der Skulptur und die Neugestaltung des Platzes sind so eng mit dem Ort hinter dem Friedenssaal inhaltlich und lokal verbunden, dass eine Translokation die Arbeit zerstören würde – sie hat daher keinen Marktwert .

Dabei war 1993 doch eine Menge Geld für die Skulptur ausgegeben worden. . .

König: Der Preis der Arbeit ergab sich aus den Herstellungs- und Transportkosten, Chillida hat weitgehend aus Sympathie für die Sache auf ein Honorar verzichtet.

Auch im Landesmuseum befindet sich Kunst des WestLB-Nachfolgers Portigon. Was geschieht mit diesen Kunstwerken?

König: Die zwei Tafeln von Giovanni di Paolo, die als Eigentum des Westfälischen Kunstvereins im Landesmuseum hingen, wurden für das Museum erworben, um sie in NRW zu halten. Hier fungierte die WestLB als Verlängerung der klammen Landesregierung.

Welchen Ausweg sehen Sie für die Portigon-Kunst? Eine Stiftung gründen? Der Kunstsammlung NRW angliedern?

König: Generell gilt, dass der Kunstbesitz der ehemaligen WestLB von Anfang an nicht in die Konkursmasse gehört hätte und entsprechend seiner Entstehungsgeschichte allen Kunstmuseen in NRW, nicht nur der Kunstsammlung NRW, zur Verfügung gestellt werden müsste.

Befürchten Sie, dass die Diskussion über den Umgang mit öffentlicher Kunst in NRW noch weitergehen könnte?

König: Die verächtliche Art, wie sich der NRW-Finanzminister zu Fragen der Kunst äußert, und seine Beteiligung an der allgemeinen Spekulation auf dem Kunstmarkt sind ein schlimmes Signal für alle Einrichtungen in NRW, die mit Kultur befasst sind.

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