Do., 11.06.2015

Vor 50 Jahren: Rolling Stones in Münster Mit Wasserwerfer und Schlagstock

Am historischen Ort in der Halle Münsterland zeigen deren heutige Geschäftsführerin, Dr. Ursula Paschke, und der stellvertretende Leiter des Stadtmuseums. Dr. Axel Schollmeier, großformatige Fotos des Stones-Konzerts.

Am historischen Ort in der Halle Münsterland zeigen deren heutige Geschäftsführerin, Dr. Ursula Paschke, und der stellvertretende Leiter des Stadtmuseums. Dr. Axel Schollmeier, großformatige Fotos des Stones-Konzerts. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

In Münster wurde Rockgeschichte geschrieben: Die Rolling Stones gaben hier vor 50 Jahren ihr erstes Konzert auf dem europäischen Kontinent. Die Polizei war 1965 auf das Schlimmste gefasst, wie ein jetzt aufgetauchter Einsatzplan zeigt.

Von Karin Völker

Es gibt Tage, an denen in Münster der berühmte Mantel der Zeitgeschichte wehte. Einer davon jährt sich bald zum 50. Mal – und das Stadtmuseum widmet ihm ab dem 18. Juni eine eigene Ausstellung. Am 11. September 1965 wehte in Münster genau genommen der Mantel der Rock-Geschichte: Eine englische „Show-Band“, die daheim auf der britischen Insel für mächtig Furore sorgte, spielte zum ersten Mal auf dem europäischen Kontinent. Die Rolling Stones gaben zwei Konzerte in der Halle Münsterland . Am Samstagnachmittag um 17 Uhr für die minderjährigen und abends um 20.30 Uhr. Das Programm war schmal: Acht Lieder spielten die Stones, darunter „Satisfaction“ – und wären da nicht die Vorbands „The Rivets“, „Die Rackets“ und „Didi and the ABC-Band“ gewesen, der ganze Zauber hätte kaum eine halbe Stunde gedauert.

Konzert-Fotografien von Willi Hänscheid

Heute gäbe es von einem Musik-Ereignis dieses Ranges Abertausende von Handy-Fotos und Filmchen. Die beiden Konzerte der Rolling Stones 1965 wurden vom Zeitungsfotografen Willi Hänscheid dokumentiert – die drei Filme mit gut 100 Aufnahmen auf Zelluloid sind im Besitz des Stadtmuseums. Was heute ebenfalls undenkbar wäre: Willi Hänscheid durfte den Stars mit seiner Kamera richtig nahe kommen. Er stand mit ihnen sogar auf der Bühne. Einige Fotos stammen auch von seinem Sohn Wolfgang. Die beiden Auftritte wurden übrigens von der Jugendzeitschrift „Bravo“ präsentiert, die Eintrittskarten kosteten damals stattliche sechs bis 12,50 Mark.

Eine Woche vor der Premiere auf dem Kontinent war es in Dublin, als die Stones ihren neuen Hit „Satisfaction“ zum Besten gaben, zu Tumulten gekommen. Das erhöhte die ohnehin schon gesteigerte Alarmbereitschaft der Polizei . Wie sie sich auf den Einsatz vorbereitete, ist jetzt detailliert nachlesbar. Tobias Hertel, Sprecher der Halle Münsterland, fand in einem Aktenordner im Archiv den „Einsatzbefehl“ der Polizei, die sich akribisch auf das Ereignis vorbereitete.

Der Polizeidirektor war gewarnt: In Dublin, so heißt es einleitend in dem zehnseitigen Dokument, „rannten Hunderte kreischender Mädchen die Saalhüter über den Haufen, stürmten die Bühne und rissen Instrumente und Mikrofone um. Ein Bandmitglied wurde zu Boden gerissen und verletzt.

So waren neben den 110 Schutzpolizisten Feldjäger der Bundeswehr und Militärpolizei der britischen und niederländischen Streitkräfte zur Verstärkung vor Ort. Ein Wasserwerfer war aus Dortmund geordert worden. Die uniformierten Polizisten waren mit Schlagstock und Dienstpistole bewaffnet, Greiftrupps in Zivilkleidung lediglich mit „verdeckt“ zu tragendem Schlagstock. Im Ballett-Übungsraum der Halle wurde eine „Gefangenen-Sammelstelle“ eingerichtet. Der Albersloher Weg wurde gesperrt.

Bekanntlich führte der Enthusiasmus der zweimal 5200 Konzertbesucher in der westfälischen Provinz nicht dazu, dass, wie eine Woche später in Berlin, mit der Waldbühne die Konzertstätte komplett zerlegt wurde. Was auch Hans-Joachim Hangstein, den damaligen Chef der Halle Münsterland, gefreut haben dürfte. Er war, so ist es überliefert, sehr offen für neue Bands, wie die Stones, wie seine Nachfolgerin, die heutige Hallen-Chefin Ursula Paschke, erläutert.

Münster blieb für längere Zeit eine der wenigen deutschen Städte, in denen Mick Jagger und Co. aufgetreten waren. Denn nach den Ausschreitungen in der Waldbühne wurde die Deutschlandtournee der Stones abgebrochen. Die meisten Polizeipräsidenten der Tourstädte, die in Münster in ihren Uniformen aufgereiht in einem Besucherblock das Konzert beobachteten, um daheim für die Herausforderungen der sich ändernden Zeiten und ihrer Musik gewappnet zu sein, waren umsonst gekommen.

Fotostrecke: Die Rolling Stones erobern von Münster aus den europäischen Kontinent

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