Nachrichten Münster
Mit Zylinder und Zigarre

Montag, 28.01.2008, 11:01 Uhr

Münster . Es ist ein Jubiläum, aber für viele Studenten kein Grund zum Feiern. Denn genau vor drei Jahren machte ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts Studiengebühren an deutschen Hochschulen erst möglich, erlaubte so auch die Einführung einer Gebühr von 275 Euro, die jeder Student der Uni Münster seit Oktober letzten Jahres pro Semester bezahlen muss. Am Samstag folgte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität daher dem Aufruf einer bundesweiten Aktion, protestierte aber auf ungewöhnliche Art mit Limousine, Sekt und Zigarren .

„Das ist eine Jubeldemo für Studiengebühren“, erklärte AStA-Sprecher Jörg Rostek, der, selbst in feinstem Zwirn gekleidet, als Geldscheine getarnte Flyer unter die Bevölkerung brachte. Die Ironie dahinter war offensichtlich. Denn die Haltung Rosteks und seiner rund 20 Mitstreiter war bekannt: „Bildung hängt durch Studiengebühren vom Geldbeutel ab. Die Hochschule wird elitär.“

Auch AStA-Vorsitzender Veith Lemmen drückte noch einmal seinen Unmut über die Gebühren aus. Immer wieder kämen Studierende in die Beratung des AStA, die sich eine Fortsetzung des Studiums nicht mehr leisten könnten. „Andere werden schon im Vorhinein abgeschreckt“, sagte Lemmen weiter. In diesem Wintersemester sei die Zahl der Studenten an der Uni im Vergleich zum Vorjahr um rund 1800 gesunken.

Auch wenn die Aktion in der Innenstadt für reichlich Aufsehen sorgte, blieben einige Passanten kritisch. „Den Protest finde ich gut, aber die Limousine ist daneben“, so Heidrun Kiesow, deren Sohn ebenfalls in Münster studiert. Und eine andere Studentin fragte sich: „Wer zahlt das denn? So bekommen die keine Öffentlichkeit.“

Bereits am Freitag hatte die Studentenvertretung der Uni ihre Protestaktion eingeläutet und versucht, NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart, der im Rahmen des Treffens des Bundesverbands Liberaler Hochschulgruppen in der Domstadt war, erneut das große Bauschaum-Gehirn zu überreichen, das derzeit von dem Schloss steht. In Anlehnung an die Zeichentrickserie „Pinky und der Brain“, wie der AStA erläuterte. Zwar habe Pinkwart das Modell angenommen, aber wieder nicht mitgenommen. „Sehr enttäuscht“ sei man über die „paar Minuten Gesprächszeit“, in denen der Minister weder in die Tiefe gegangen sei, noch auf die sinkenden Studentenzahlen in Münster habe eingehen wollen.

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