Mo., 18.08.2008

Nachrichten Münster Becken im Delfinarium zu klein für drei Tiere?

Von Christina Schug

Münster . „Ein Delfinarium ist Tierquälerei“, betont Jürgen Ortmüller. Der Vorsitzende und Mitbegründer des „Wal- und Delfinschutzforums“ (WDSF) ist überzeugt, dass die „intelligenten Säuger, die normalerweise täglich bis zu 150 Kilometer weit schwimmen und 300 Meter tief tauchen“, nicht artgerecht in einem Delfinarium gehalten werden können. Darum plädiert er „für die sofortige Schließung aller Delfinarien in Deutschland“.

Das gelte auch für die Anlage im münsterschen Allwetterzoo. Dort leben drei Delfine: Zwei große Tümmler, geboren in Nürnberg , und ein Sotalia, der aus Südamerika über Nürnberg nach Münster kam. Am Sonntagnachmittag demonstrierte Ortmüller mit seinen drei Söhnen und dem Aktivisten Andreas Morlok vor dem Zoo: „Unser Ziel ist, die Zoobesucher friedlich und gewaltfrei zu informieren und aufzuklären“, sagte Morlok. Allerdings wagten sich nur wenige Besucher von selbst an den Informationstisch, der ein gutes Stück vom Eingang entfernt stand.

Laut den Demonstranten sei die Gefangenschaft der Delfine so verwerflich, weil die Becken viel zu klein seien, Delfinarien den Fang der Säugetiere erst auslösten und der Zweck nur Geldmacherei sei. Beispielhaft für die nicht artgerechte Haltung sei, dass sich Delfine im Zoo nicht züchten ließen: „In Nürnberg hat seit zehn Jahren kein Baby mehr überlebt“, führte Ortmüller an.

Die Biologen und Delfintrainer in Münster dagegen weisen die Vorwürfe zurück. „Die Tatsachen werden verdreht“, meint Sandra Isenberg . Die Aktivisten seien Tierhaltungsgegner und keine Schützer. Denn Ziel des Delfinariums sei, die Besucher zu informieren, aufzuklären und den Artenschutz zu fördern. Auch sind „die Küstendelfine, die wir hier haben, sehr anpassungsfähig“, so Isenberg. „Unsere Anlage folgt allen Regeln und Richtlinien zur artgerechten Haltung“, davon ist Jörg Feldhoff überzeugt: „Der Ozean ist auch nicht der Himmel auf Erden.“ Die Freiheit berge Abschlachtung, Netzfang sowie Umweltschadstoffe. In Gefangenschaft haben die Delfine keine Feinde und müssen sich nicht um ihr Futter kümmern. „Sie sind genauso gern bequem wie wir“, so Isenberg. Darum werden die Tiere von fünf Trainern den ganzen Tag mit Spiel und Shows beschäftigt – natürlich nur, wenn die Individuen Lust dazu hätten.

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