Do., 15.01.2009

Kultur Münster Rebellisch - kritisch - jung

Von Gerhard H. Kock

Münster - 90 Jahre alt, aber zeitkritisch und rebellisch wie nie zuvor: „Die Schanze “ geht im Jubiläumsjahr neue, junge und vor allem politische Wege mit ihrem Kanzler Klaus Tesching , der zusammen mit Stefan Rosendahl in der Stadthausgalerie die erste von vier Ausstellungen der freien Künstlergemeinschaft kuratiert hat. Und es sind nicht nur Vereinsmitglieder dabei...

Viele der 24 gezeigten künstlerischen Positionen gehören nicht originär zur „Schanze“, die sich aber jetzt mehr als freie, sprich offene Gemeinschaft von Künstlern versteht, die sich kritisch miteinander austauschen. „Aktuell“ ist daher der passende Titel. Und die Themen kommen aus der Finanzkrise mit ihren Protagonisten der Bänker und Makler - wie sie zum Beispiel Marion Wagner zeigt: eine poppig-märchenhafte Papppenner-Truppe mit Lügennase Pinoccio, Goldbringerin Glücksfee an seidenen Fäden und einer Art Rumpelstilzchen mit Immobilien-Teil in der Hand.

Wesentlich subtiler, aber nicht weniger kritisch, hat Tesching ein Ensemble an Spielereien zusammengestellt, die die Grenzen des Spielerischen hinterfragen: sein Kinderspielzeug sowie selbst gebastelte Apfelmännchen stehen neben T-Shirts auf denen Euphorie-Ikonen wie Fußball, Drogenpilze und Che Guevara gedruckt sind - daneben zeigt eine Karikatur einen toten Hund, der von zwei Bonzen verflucht wird, weil er den Karren nicht mehr ziehen kann.

Ebenso ambivalent ist der Ansatz von Kirsten Kaiser. Sie hat die von der EU ausgemusterte Glühbirne in ein Spermienkostüm gesteckt, lässt die Leuchtkörper im Laufstall von einer umhäkelten Lampe bewärmen und zugleich den Abfluss hinunterspülen - entzückend. Ebenfalls mit den Mitteln des Humors arbeitet Uli Grohmann, dessen Kurzvideo „Sterntaler“ die Metamorphose der amerikanischen Flagge vom Union Jack zum Dollar-Zeichen zeigt. In seinem „Walk of Fame“ lässt Stefan Rosendahl seine Füße als Abdruck in einem ewigen Kreislauf ums Münster-Wappen laufen.

Nicht nur die Kritik ist in dieser bunten Schau zu finden, das schlicht Schöne ebenfalls. Mit bewundernswerter Akkuratess hat Beate Hagemann aus Fichtennadeln einen voluminösen farbigen „Käfer“ zusammengeklebt und Manfred Schlüter Morchel und Seeigel in Holz abstrahiert. Phillipp Dreber zeigt ein „Welle“ aus Glas, die auch als Designerstück Aufsehen erregen würde.

Erwin-Joseph Speckmann kombiniert Glas und Acryl zu existenzanalytischen Skulpturen wie „Single“ oder „Seele“. Und mit der „Gelben Stele“ von der 86-jährigen Edith Steinberg-Mannefeld ist selbst eine klassische Skulptur-Position vertreten.
Keine Frage: Die alte Schanze ist jung geblieben.

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