Do., 19.02.2009

Kultur Münster Nudel-Noten aus bunten Dosen

Von Heike Eickhoff

Münster - Wenns einem so richtig gruselig langweilig ist, greife man zu Rossinis fiktivem Opern-Kochbuch, füge ein paar Musiker und ein „gut abgehangenes Theaterstück“ hinzu, werfe grob gehackte Achtelnoten hinein und rühre kräftig um - fertig ist eine faszinierende Kinderoper. Mit überschaubaren Zutaten schnell zubereitet, die Aschenputtel-Geschichte als Grundlage genommen und gewürzt mit Gioacchino Rossinis bunter und wunderschöner Musik zu „La Cenerentola“ kommt „Aschenputtel oder Rossini kocht eine Oper“ als sehr gelungenes Kindermusiktheater daher. Die Autoren Eberhard Streut und Jürgen Weiser haben Rossinis Oper schlicht gekürzt und reduziert, in kindgerechte Portionen gebracht, und heraus kam dieses hübsche bunte Ding für die kleinen und ganz kleinen Opernfreunde.

Bei der gestrigen zweiten Premiere im Kleinen Haus genossen die Zuhörer diesen leckeren „Ohrenschmaus“ ungemein. Eigentlich ist diese Inszenierung nicht neu, denn durch den Theaterbrand im vergangenen Jahr konnte diese Kinderoper erst jetzt im Kleinen Haus auf die Bühne gebracht werden. Licht und Kulissen sind gegenüber der Inszenierung im Haus der Begegnung Albachten, wo es seinerzeit als erste Premiere gezeigt wurde, etwas geändert. Auch kann im Kleinen Haus nun die Tiefe der Bühne miteinbezogen werden.

Und wie kam das hübsche Mädchen (Judith Gennrich), das bekanntlich vor allem durch ihren Schuh vom verliebten Prinzen (Axel Michael Thoennes) identifiziert werden konnte, nun zur Traumhochzeit? Zurück an den Anfang: Ein paar Jugendliche von heute leiden schrecklich unter Langeweile. Da hilft nur Aktion, also spielen sie unter Anleitung Rossinis (herausragend: Christian Palm ) eine Oper. Der vermeintliche Rossini wirft die Zutaten großzügig in einen riesigen Topf, fügt verräterisch an Nudeln erinnernde Noten aus bunten Dosen hinzu und schon brodelt und kocht auf der Bühne ein herrliches Gericht.

Aschenputtel ist ihnen gerade recht, denn da können die gelangweilten Mädchen in schöne Kleider schlüpfen. Die Schwestern Tisbe (Ruth Volpert) und Clorinda (Charikla Tonn) glänzen denn auch mit schrillem Make-Up und knallbuntem Fummel. Immerhin geht es ja zum Ball beim Prinzen. Der Vater (Julian Schulzki) ist ein Griesgram und strotzt vor Dummheit. Ein paar spartanische Stellwände mit Rollos und Blendladen auf der Bühne lassen sich in Zimmer oder Ballsaal verwandeln.

Etwas Licht und die hervorragenden Musiker (Vanessa Eschweiler (Violine), Dagmar Bathmann (Violoncello) sowie Florian Wessel (Klavier und musikalische Leitung) sorgen für die perfekte Umgebung. Die Sänger wirbeln über die Bühne, Christian Palm als Rossini und Kammerdiener treibt das Spiel voran und bezieht die Kinder im Kleinen Haus immer wieder mit ein. Georg Blüml hat in seiner Inszenierung Längen und platte Gags vermieden und hält brillant die Balance zwischen Komödie für Kinder und Kinderoper.

Die Spielebenen wechseln ein paar Mal spielerisch und humorvoll zwischen Märchen und realer Situation im Theater hin und her. Die Kinder haben Spaß daran, nicht nur zuzuhören sondern auch mal einen Kommentar hineinrufen zu dürfen. Und weil es so dicht inszeniert ist, so schön wie am Schnürchen läuft und Story und Musik einfach gefallen sind am Ende alle begeistert und bedanken sich mit viel Applaus.

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