Di., 17.02.2009

Kultur Münster Schwarze-Socken-Kampagne?

Von Gerhard H. Kock

Münster - Der Mann und seine Socke ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Ruppe Koselleck legt noch eine Schippe drauf und macht die Müffeltülle zum Objekt seiner jüngsten Kunstaktion. Was wie ein Fall für die Abfallwirtschaftsbetriebe aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung und weiteren Assoziationen als kunst- und kulturhistorisches Kabinettstückchen.

Koselleck hat gegenüber dem Cinema an der Warendorfer Straße eine Leine gespannt und Socken aufgehängt. Nicht irgendwelche Socken, sondern alleinstehende, quasi vereinsamte Strümpfe, die ihren Partner in den schwarzen Löchern einer Waschmaschine oder durch die aufreibende Tätigkeit in einem meist männlichen Schuh verloren haben.

„Ich arbeite gerade an einem Projekt, welches private Probleme in den öffentlichen Raum verlegt.“ Und daher habe er jenes mysteriöse, scheinbare Allerweltsproblem am vergangenen Sonntag vom heimischen Wäschehaufen in den öffentlichen Raum gehängt. Dort sollen die Socken von der traurigen, aber gewaschenen Gestalt auf Diebe oder aufmerksame Kunstverwerter wirken. Eine Passantin habe ihn schon spontan gefragt, ob sie ihre Socken dazuhängen dürfe. Warum nicht, hat sich der Künstler gedacht.. .

Und will das Denken anregen. Denn der Münsteraner ist nicht der erste Künstler, dem die Socke eine Aktion wert war. Koselleck denkt dabei weniger an 1994, als die Socke politisch wurde. Kosellecks Installation, die unter dem doppelten, mit Efeu bewachsenen Drahtbogen eine Eingangssituation im Park hängt, ist keine „Schwarze Socken“-Kampagne.

Vielmehr fällt ihm Robert Filliou (1926-1987) ein. Jener Résistance-Kämpfer und französische Fluxus-Künstler beschäftigte sich mit dem chaostheoretischen „Alles hängt mit Allem zusammen“. Die Gleichwertigkeit von „Gut-Gemachtem, Schlecht-Gemachtem und Nicht-Gemachtem“ ist der Schlüssel zu seinem Werk. Eines seiner Hauptwerke zum „Prinzip der Äquivalenz“ von 1968 sind eine nach mathematischer Reihung gehängte Holzkästchen, die gut gemachte oder schlechte rote Wollsocken in einer gelben Dose enthalten.

Münster kennt Filliou von den „Skulptur-Projekten87“. Sein Bauwagen stand am Landesmuseum, innen mit den Neonschriften „innocence“ und „imagination“. Denn Unschuld und Vorstellungskraft waren zentral für den Buddhisten Filliou. En miniature war dieser Bauwagen dann bei den „Skulptur-Projekten 07“ in der Arbeit von Dominique Gonzalez-Foerster am Kanonengraben zu sehen.

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