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Fr., 27.02.2009

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Fastenzeit: Die Münsteraner sind gut gerüstet

Die BWL-Studentinnen Marisa Kotthaus (l.) und Laura Karrenbrock finden, dass jeder selber entscheiden sollte, ob er fasten möchte. Nach einer Klausur gab es gestern erst einmal eine Brotzeit am Lamberti-Brunnen. Fotos: (mm)

Münster - Schluss mit lustig! Pappnasen und Narrenkäppis sind wieder verstaut - denn am Aschermittwoch ist ja bekanntlich alles vorbei. Mit dem Aufzeichnen des Aschekreuzes auf die Stirn der Gläubigen beginnt in der katholischen Kirche die 40-tägige Fastenzeit. Die einen verzichten auf Nutella, so wie es sich Pfarrer Laufmöller von St. Stephanus einst als Kind vom Brot gestrichen hat. Im Gottesdienst zum Aschermittwoch erklärte er den diesjährigen Kommunionkindern anschaulich den Sinn von Verzicht. So könnte die schokoladige Köstlichkeit beispielsweise bei der Münstertafel abgegeben werden, meinte der Pfarrer.

Von Maria Meik

Der Verzicht auf Süßes, Fleisch, Alkohol, Zigaretten, Fernsehen und all die weiteren Dinge, ohne die man angeblich nicht auskommt, spielte gestern keine bedeutende Rolle bei einer Umfrage in der City zum Sinn des Fastens.

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„Es geht doch um grundsätzliche Sachen, die nicht auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt sind“, findet die 22-jährige Laura Karrenbrock. Beispielsweise gesund zu leben und ohne Streit auszukommen. Auch Marisa Kotthaus findet, dass Fasten eine sehr persönliche Entscheidung sei. Sie trinke grundsätzlich keinen Alkohol und sei Vegetarierin. Die beiden BWL-Studentinnen waren gestern geschafft von einer Klausur und ließen sich vor St. Lamberti erst einmal knackige Brötchen schmecken.

„Nein, ich habe mir für die Fastenzeit nichts vorgenommen, weil ich erstens evangelisch bin und zweitens als Kind 1944 nichts zu essen hatte. Hunger tut weh“, sagte ein 73-jähriger Münsteraner, der gebürtig aus Berlin kommt. Die Leute müssten es selber wissen, ob sie fasten möchten oder nicht.

Für Peter Hollenkamp (70) macht es dagegen durchaus Sinn, zu fasten - „aufgrund des körperlichen Wohlseins. Es hat mit Umdenken, mit in sich gehen zu tun“, findet der Mitarbeiter des Kirchenfoyers an der Salzstraße. Er hat sich vorgenommen, sich auf eine Sache zu konzentrieren und nicht mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, wie Fernsehen schauen und dabei zu lesen.

Die Fastenzeit habe nicht so die Bedeutung für ihn, meinte Taleb Bendiab Abdel Ali. Der Algerier hat im Moment nur eine Sache im Kopf: „Ich möchte Taxifahrer werden.“ Als gläubiger Muslim ist für ihn der Ramadan der Zeitraum des strengen Verzichts auf Essen nach Sonnenaufgang. „Das tut dem Körper gut und ist gesund“, weiß der 34-jährige, der dann auch das Rauchen einstellt.

Der Jurastudent Christopher Danwerth findet sehr wohl, dass Fasten Sinn mache. „Es muss nicht unbedingt einen christlichen Hintergrund haben. Fasten sollte für einen selber Sinn machen, als Selbstkontrolle, um zu erkennen, dass man sich zurückhalten kann. In der nächsten Woche möchte der 22-Jährige mit dem Fasten beginnen. Über sein Fastenopfer dürfte sich Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki freuen, denn Danwerth möchte „ein bisschen weniger Schwachsinns-Fernsehen schauen“ und sich klassischer Literatur zuwenden.

Fabian Romanowski, der in Karlsruhe Wirtschafts-Ingenieurwesen studiert, findet die Selbstdisziplin, die beim Fasten aufgebracht wird, als erstrebenswert. Er meint, „dass unsere Gesellschaft mal fasten sollte, weil es diese Option in vielen Teilen der Welt nicht gibt“. Die Gesellschaft müsse an die Basis zurückkehren, um sich der Bedeutung ihres Lebensstandards bewusst zu werden. Für den 23-Jährigen wäre es ideal, eine Zeit lang in einem Kloster vom Alltag auszusteigen. „Doch das ist schwer umzusetzen.“


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