Kultur Münster
„Und beim nächsten Mal sind wir bei Dir!“

Münster - Auf Partys ereignen sich mitunter sonderbare Dinge. Gegen zu viel Remmidemmi hatten die Mitglieder des Schrägstrichtheaters mit Regeln vorgesorgt: „Keiner darf die Toilettenwände bekritzeln. Keiner darf einem anderen das Leben verleiden...

Donnerstag, 18.06.2009, 18:06 Uhr

Münster - Auf Partys ereignen sich mitunter sonderbare Dinge. Gegen zu viel Remmidemmi hatten die Mitglieder des Schrägstrichtheaters mit Regeln vorgesorgt: „Keiner darf die Toilettenwände bekritzeln. Keiner darf einem anderen das Leben verleiden. Jeder muss sich vor dem Essen die Hände waschen.“ 13 Menschen mit und ohne Behinderung stehen bei „Um 4 bei Ihr“ auf der Bühne. Am Mittwoch hatte die skurrile Geburtstagscollage Premiere.

Tragik und Komik liegen in dem Stück, das Annette Knuf und Manfred Kerklau inszeniert haben, dicht beieinander. „Ich mag dich“, verkündet einer der Schauspieler mit einem Strahlen im Gesicht. Wieder und wieder. Doch der Adressierte fühlt sich bedrängt, weicht aus. Am Ende stürzen sich die beiden gar wie Stiere aufeinander - statt der Hörner tragen sie bunte Partyhüte. Zwischen allem Tumult stapeln sich die Geschenke, ertönen das Happy Birthday und eine Geburtstagsansprache in einer fremden Sprache.

 Das Stück ist so schräg wie das Schrägstrichtheater: Da trägt jemand einen Ghettoblaster über die Bühne, hin und her. Eine andere müht sich mit Geschenkpapierrollen ab, die ihr unter den Armen durchrutschen. Wie Mikadostäbe fallen sie zu Boden, das Aufsammeln kommt einer Sisyphos-Arbeit gleich, fiebrig laufen die Vorbereitungen für den Geburtstag.

Es geht um Zwischenmenschliches, um Kontaktangebote, um die Freude am Miteinander, aber auch um die Reibung, die Gemeinschaft bringt. Annäherungsversuche der Männer an eine der Schauspielerinnen scheitern daran, dass sie nicht raucht und gleich vier Feuerzeuge ins Leere klicken. Ein Heiratsantrag droht im Getümmel unterzugehen, bis sich der Darsteller, der zuvor noch von seiner Turteltaube schwärmte, auf dem Boden wälzt und verzweifelt „bitte, süßer Hoppelhoppelhase“ trommelt - bis nur noch ein verzweifeltes „Hoppel!“ unter dem Tisch ertönt.

 Melodisch ist das Stück wunderbar eingebettet in die Klezmer-Klänge der Gruppe Klanc!, die passend zur Handlung Kontrabass, Akkordeon und Klarinette fröhlich-beschwingt bis tiefschwer-traurig erklingen lassen.

Als die Darsteller, deren Spielfreude zu jeder Zeit ungebrochen ist, am Ende ihres Stücks dem Publikum verkünden: „Und beim nächsten Mal sind wir bei Dir!“, weiß man nicht so recht, ob man sich freuen oder Angst vor Chaos haben soll. Aber solche Gedanken gehen unter in den tosenden Beifallsstürmen, mit denen die zahlreichen Zuschauer die Premiere feierten. 

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