Di., 03.11.2009

Kultur Münster Stoßlachen bei Zoten

Von Arndt Zinkant

Münster - Spot an! Das „Cubarett“ öffnet seine Pforten - und Münsters erste offene Kabarettbühne geht gleich im Campusradio „Q“ auf Sendung. Da reichts nicht, wenn alle Fans im Cuba ihr „schönstes Radio-Gesicht“ aufsetzen - da muss Kabarettist Christoph Tiemann zum „Warm-Up“ bitten.

Tiemann, der Spiritus Rector dieser neuen Heimstatt für Kabarett-Talente, hält seine Schilder hoch: Beim „Kalauer“ bitte ein laut vernehmliches, gequältes: „Ööööööh!“. Die „ Zote “ (bitte nur Männer!) möge mit heiseren Stoß-Lachern quittiert werden, und auch die „Hintersinnige Geschmacklosigkeit“ verlangt nach spezifischer Resonanz. Aber gern! Die Fans reagierten wie befohlen - zu Recht, denn gute Pointen gab es bei diesem gelungenen Cubarett-Auftakt reichlich.

Echte Kabarett-Kämpen spielten im Wechsel mit Newcomern. Zu ersteren zählt Lokalmatador Manne Spitzer, der den Bankraub in philosophische Höhen treibt, wenn er mit seinem Kumpel plant, einfach als Nietzsche verkleidet plündern zu gehen. Mit der Besen-Bürste als Bart-Ersatz kein Problem! Diogenes Tonne oder Kants kategorischer Imperativ eignen sich für Bankräuber leider weniger . . .

Ebenfalls echter Lokalmatador ist der Osnabrücker Kalla Wefel . Sein raubauziger Auftritt wurde prustend gefeiert. Kalla zeigte sich als cooler Gitarrero, der sich von Höcksken auf Stöcksken witzelt, Pointen gegen Spießer, Vegetarier und Westerwelle einflicht - um sich sofort gegen „die billige FDP-Hetze“ zu verwahren. Der erst gegen den „Techno-Scheiß“ wettert, um danach die Musik der eigenen Jugend genüsslich zu veräppeln („mit drei Akkorden 67 Top-Hits!“). Vergnügliche Selbstironie - die Manfred Tamm leider abging. Der Lehrer vom Kant-Gymnasium bot zu viele Klischees über bewaffnete Schüler mit nichts als Drogen und Ballerspielen im Kopf. Nur die Witzelei über die immer gleichen Vornamen von Alina bis Helena war klasse.

Der Bochumer Peter Rodemeyer kam von der Musik zum Kabarett und gab bei seinem runden Auftritt Westerwelle Englisch-Tipps („Hello, Im the german Outing-Minister“). Ebenfalls ein Talent, von dem man noch hören wird, ist Christian Erll, der jüngste des Abends. Seine schwarzhumorige Fabel „Der Maulwurf und das Atomkraftwerk“ hatte Biss. Gute Musik lieferte die Band „Sail beyond doubt“. Schöne Aussichten fürs „Cubarett“ - ab jetzt an jedem ersten Montag des Monats.

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