Do., 26.11.2009

Nachrichten Münster Karaoke im Taxi

Von Martin Kalitschke

Münster - „Was soll ich auflegen?“, fragt Nizamettin Kilincli . Der Taxifahrer öffnet das Handschuhfach, zieht einen Stapel DVDs heraus. Stimmungshits, deutsche Schlager, Madonna , Michael Jackson. „Deutsche Schlager“, antwortet Fahrgast Arcas Mikail. Kilincli schiebt die entsprechende DVD ins Abspielgerät, kurz darauf erscheint auf einem Bildschirm hinterm Fahrersitz der Text des Neue-Deutsche-Welle-Klassikers „Goldener Reiter“ samt musikalischer Begleitung. Mikail beginnt zu singen, die Reise mit dem „Karaoke-Taxi“ kann beginnen.

„Das ist einmalig in Deutschland“, stellt Kilincli, ganz unbescheiden, fest. Auf die Idee sei er ganz allein gekommen, früher, als er noch für andere Taxi fuhr. Da gab es Leute, die während der Fahrt ihre Laptops aufklappten, um Filme zu sehen. Und Leute, die sangen, ohne die Texte zu kennen. Für Kilincli war damit klar, was er tun muss, um möglichst viele Fahrgäste zufriedenzustellen: Filme zeigen, die die Menschen zum Singen bringen. Das „Karaoke-Taxi“ war geboren.

Zwei Jahre ist der 46-Jährige jetzt mit seinem Fahrzeug unterwegs, mit wachsendem Erfolg, wie er versichert. Vor allem am Mittwoch-, Freitag- und Samstagabend werde in seinem Bulli nach Herzenslust gesungen, umso lauter, je mehr die Fahrgäste getrunken haben. „Die Leute wollen Spaß haben, wenn sie zu einer Party fahren oder zwischen zwei Partys hin- und herpendeln“, erzählt Kilincli. Wobei der Spaß mit der Anzahl der Fahrgäste wachse. Acht Mann an Bord und der Text vom „Knallroten Gummiboot“ auf dem Bildschirm - das ist kaum noch zu toppen.

Auch Nizamettin Kilincli singt gerne - und gut, wie er versichert. „Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär“ und „Viva Colonia“ sind seine Lieblings-Gassenhauer. Der Mann ist ein Karnevalsfan, möchte man meinen. Kein Wunder, denn an den tollen Tagen - und während der Kegelparty - ist der Andrang im „Karaoke-Taxi“ am größten.

Sein Publikum kann er mittlerweile schon fast mit wissenschaftlicher Präzision analysieren. „Frauen singen besser als Männer.“ „Junge Leute mögen Karaoke mehr als ältere.“ „Die meisten Gäste wollen zum Go-Parc, zum Jovel und zum Hawerkamp fahren.“ Und: Je beschwipster, umso musikalischer. Einen Karaoke-Zuschlag müssen die Fahrgäste übrigens nicht bezahlen. Sie müssen nicht mal singen: „Wenn einer die Karaoke-Musik nicht hören will“, sagt Nizamettin Kilincli, „dann stelle ich sie natürlich auch aus.“

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