Di., 02.03.2010

Kultur Münster Mit den Wörtern stirbt die Fantasie

Von Brigitte Heeke

Münster - „Mama, ich geh Zirkus!“ Paulas Mutter grübelt: Warum spricht das Kind plötzlich so komisch? Doch der Verzicht auf bestimmte Artikel und Präpositionen ist keine neue Marotte. Der miese Vielolog ist schuld. Er greift Paulas Wortschatz Stück für Stück ab - als Gegenleistung macht er ihre Hausaufgaben. „Der Sprachabschneider“, ursprünglich ein Buch von Hans Joachim Schädlich , ist zurzeit in einer Bühnenfassung von Lars Reichow im Kindertheater Meerwiese zu sehen. Am Sonntag war Premiere vor vollem Haus.

Die Städtischen Bühnen wenden sich mit dem Stück an Kinder ab acht Jahren. Für jüngere Zuschauer dürfte die Inszenierung von Kirsten Uttendorf (Regie) und Christina Lahmann (Dramaturgie) auch noch zu spannend sein. Carola von Seckendorff als etwas spleeniger, aber furchteinflößender Vielolog ist zwar genial. Auf dem Schulweg jedoch möchte man dem Sprachabschneider in dieser Aufmachung nicht unbedingt begegnen (Kostüme: Jacqueline Schienbein).

Pech für Paula (Julia Stefanie Möller), dass der Vielolog ihren sehnlichsten Wunsch kennt: weniger Hausaufgaben, weniger Aufräumen, mehr Freizeit. Zugegeben, Paula ist ein bisschen verpeilt in alltäglichen Dingen und mit ihren schulischen Pflichten. Ihre Mutter ( Judith Patzelt ) hat deshalb stets einen guten Rat für sie, meist in Form eines Sprichworts. Paula ist es jedoch egal, ob die Wolken über ihr Cirrus, Nimbostratus oder sonst wie heißen. Hauptsache, man kann Riesenbäume, Dampflokomotiven oder Fabelwesen darin erkennen.

Die Fantasie aber scheint zusammen mit ihrem Wortschatz zu verschwinden. Das Mädchen erkennt: Gemachte Hausaufgaben sind nicht alles im Leben! Zusammen mit ihrem Freund Bruno (ebenfalls von Judith Patzelt gespielt) lässt sie sich auf ein Sprachduell mit dem Vielolog ein, um ihre Wörter wieder zu bekommen - ein Feuerwerk der Zungenbrecher, das die Schauspielerinnen in atemberaubender Geschwindigkeit darbieten.

» Wer Spaß an Sprachwitzen und Schüttelreimen hat, kommt in diesem Stück auf seine Kosten. Neun weitere Aufführungen sind im März geplant. Kartentelefon: ' 590 91 00.

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