Do., 18.03.2010

Kultur Münster Zu unrecht vergessen

Von Heike Eickhoff

Münster - Lange war seine Musik vergessen. Dabei genoss er zu Lebzeiten ein recht beachtliches Ansehen. Der Komponist Anton Urspruch verstarb 1907, und schon bald darauf erklang seine Musik nicht mehr. Urspruch hielt sich fern von den neuen musikalischen Strömungen, vom Wandel und Umbruch seiner Zeit und komponierte weiterhin spätromantisch, legte den Schwerpunkt seines Schaffens auf die Vokalmusik. Überhaupt, ein eher zurückhaltender, den Konflikt vermeidender Mensch soll er nach temperamentvoller Jugend gewesen sein, meint Veronica Kircher .

Kircher ist eine Enkeltochter Urspruchs und erzählte am Mittwochabend im Franz-Hitze-Haus beim ersten Konzert der Anton-Urspruch-Gesellschaft von Leben und Schaffen des Großvaters. Seit Januar existiert diese Gesellschaft mit Sitz in Münster, die die Musik des auch in Fachkreisen weitgehend vergessenen Komponisten erforschen will.

Theodora Urspruch, die jüngste Tochter des Komponisten, hatte schon in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts über ihren Vater geforscht und eine Biografie hinterlassen, die heute noch als Hauptquelle dient. Mittlerweile ist Urspruch sogar Gegenstand einer Doktorarbeit.

In diesem moderierten Konzert stellten Sopranistin Heike Hallaschka und Pianist Clemens Rave - neben Liedern von Liszt, Brahms und Clara Schumann - einige Urspruch-Kompositionen vor: „An den Mond“, „Mit Rosen hast du mich geweckt“, „Dass du so krank geworden“ und „Nach Sesenheim“ erklang in der ersten Konzerthälfte. Das sind spätromantische Klavierlieder, die Worte durch die Musik ausloten, manchmal direkt in Motive umsetzen. Sie sind abwechslungsreich anzuhören und durchaus mit eigener Handschrift versehen. Rave horchte sensibel in den Klavierpart hinein, zelebrierte subtil die vielen feinen Nuancen. Hallaschka ging temperamentvoll an ihren Part heran.

Warum Urspruch so bald nach seinem Tode vergessen, versuchte Kircher zu ergründen: Urspruch kümmerte sich anscheinend mehr um seine Kompositionen als um „Marketing“ und Werbung. Und er hielt sich von modischen musikalischen Strömungen fern.

Die Urspruch-Gesellschaft springt hier in die Bresche und engagiert sich nun, gut 100 Jahre nach dem Tode des Komponisten, um Forschung und Aufführungen. So sollen CDs veröffentlicht werden, und für Ende des kommenden Jahres steht die Aufführung der komischen Oper „Das Unmöglichste von Allem“ aus dem Jahre 1897 auf dem Plan.

Mit „Nachtgesang“, „Aus meinen Tränen sprießen“, „Der Kuss“, „Am Rhein“ und „Ariette“ in Vertonungen Urspruchs endete das sehr gut besuchte Moderationskonzert in der Akademie. Viel Beifall gab es für die Musik und den sympathischen Vortrag Veronica Kirchers.

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